Blütenspaziergang im Dezember

Die Zeit der grossen Blütenpracht ist nun endgültig vorbei. Und doch gibt es noch das eine oder andere Aussergewöhnliche zu sehen. Denn wegen dem verhältnismässig warmen Wetter sind einige Pflanzen etwas verwirrt.

Deshalb führt unser Blütenspaziergang heute zuerst in die Nähe der Clematis-Sammlung zu den Eisenholzbäumen (Parrotia persica). Diese stehen bereits in voller, eher unauffälliger Blüte. Normalerweise wäre das erst im Januar/Februar der Fall. Folgen Sie nun dem Weg in Richtung Gewächshäuser, stehen oben am Silberhang zwei Winterkirschen (Prunus subhirtella 'Autumnalis'), die bereits sehr üppig blühen und eine Berg-Kirsche (Prunus sargentii) mit einigen Blüten. Deren Blütezeit wäre eigentlich im April.

Weiter geht’s an den Gewächshäusern vorbei zur Irissammlung. Gleich an der rechten Ecke, wenn Sie zwischen den Bäumen heraustreten, blüht die Kretische Schwertlilie (Iris unguicularis) neben einigen Schlüsselblumen (Primula veris). Die Schlüsselblume ist normalerweise ein typischer Frühlingsblüher!
Nun können Sie die Villa ansteuern. Aber bevor Sie ein wohlverdientes warmes Getränk zu sich nehmen, erfreuen Sie sich doch noch an der Blüte des immer wieder prächtigen Lorbeerblättrigen Schneeballs (Viburnum tinus).

 

Eisenholzbaum (Parotia persica 'Vanessa')
Schlüsselblume (Primula veris)
Berg-Kirsche (Prunus sargentii)
Winterkirsche (Prunus subhirtella 'Autumnalis')
Kretische Schwertlilie (Iris unguicularis)

Pflanze des Monats

Schwarzer Schlangenbart (Ophiopogon planiscapus 'Nigrescens')

Schwärzer geht's nicht! Der schwarze Schlangenbart ist die dunkelste Pflanze in den Merian Gärten. Ursprünglich stammt er aus südjapanischen Wäldern und hat unauffällig grünes Laub. Die schwarze Form tauchte erst Ende der Fünfzigerjahre in England auf.

 Der schwarze Schlangenbart mag Sommerwärme, Halbschatten, leicht sauren Boden und einen geschützten Standort. Er ist pflegeleicht und wird über die Jahrzehnte immer schöner. Man kann ihn mit gelben, roten oder graublauen Pflanzen kombinieren, mit weissem Kies oder hellen Felsen, als Schachbrett mit Trittplatten oder als düstere Beeteinfassung. Das Laub fühlt sich wie Leder an. Im Schnee wirkt er wie schwarze Spinnen und begeistert sogar Menschen, denen Pflanzen zu grün, zu blättrig, zu weich und überhaupt zu pflanzlich sind.

Der Name Schlangenbart stellt ein grosses Rätsel dar. Es mag ja sein, dass einzelne Schlangen einen leichten Flaum am Kopf haben, ein Goatie oder ein Menjou-Bärtchen, doch niemals einen solch üppigen Bewuchs wie diese tolle Pflanze. Sind japanische Schlangen womöglich stärker behaart?

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VOM DICKICHT BEFREIT

Vor der Villa Merian wird ein historischer Sitzplatz wieder in Stand gestellt. Bereits im Sommer wurde die Fläche wiederhergestellt, der Kiesbelag erneuert und die originalen Randsteine an ihren Platz gesetzt.

Jetzt rodet das Gärtnerteam die alte Bepflanzung. Im Laufe der Jahrzehnte waren Schneebeeren und Eiben dicht und hoch gewachsen und hatten den Sitzplatz komplett überwuchert. Auf alten Plänen lässt sich aber erkennen, dass der Platz nur leicht mit Sträuchern eingefriedet war. Anstatt im Wald versteckt, war er von mehreren Seiten einsehbar. Diese historische Situation möchten wir wieder herstellen.

Zusammen mit der Firma Salathé Gartenbau wurden in den letzten Tagen also die bestehenden Sträucher mitsamt Wurzeln entfernt und Kompost in den Boden eingearbeitet. Nun setzen wir Fuchsien, Schneeball und andere Blütensträucher sowie bodendeckende Stauden. Von der neuen Bepflanzung profitiert auch die uralte, riesige Kornelkirsche (Cornus mas). Möglicherweise der grösste und älteste Baum seiner Art in der Schweiz, verschwand er bisher im Gebüsch. Nun steht er fast alleine und kommt prachtvoll zur Geltung.

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IN DEN "SÜDEN DER MERIANGÄRTEN"

Draussen sind es zwar noch lauschige 20 Grad, aber der Winter kommt bestimmt. Deshalb haben wir in den letzten Wochen nach und nach alle wärmeliebenden Kübelpflanzen in das Gewächshaus umquartiert. Heute gab es dann noch die letzte grosse Aktion: die Kanarischen Dattelpalmen wurden per Gabelstapler verfrachtet.

Diese drei grössten Palmen sind rund 70 Jahre alt. Sie sind inzwischen rund 1 Tonne schwer! Und sie sind so gross, dass sie nur noch mit Mühe und Not durch die Tür passen. Der Hofplatz wirkt nun fast etwas leer, dafür herrscht im Gewächshaus südländlisches Flair...

Blütenspaziergang im November

Die wunderschöne Herbstfärbung in diesem Jahr übertönt fast die oft etwas zurückhaltenden Blüten, die es noch zu sehen gibt. Dieser Blütenspaziergang soll Sie zu ihnen führen.

Er beginnt auf dem Hofplatz von Vorder Brüglingen bei der Astilbenrabatte. Dort leuchten die Blüten einer besonders späten Bergenie (Bergenia 'Herbstblüte'). Gleich gegenüber, links neben dem Pächterhaus, befindet sich eine Rabatte voll mit winterharten Fuchsien. Nun nehmen Sie den Weg nach Unten, vorbei an den letzten Blüten im Farbhügel. In der Rabatte rechts des Weges finden Sie einige schöne Astern (Aster und Symphyotrichum), die noch in voller Blüte stehen. Besonders prächtig ist ein Zufallssämling dem wir den Namen 'Mü' gegeben haben.
Wenden sie sich nach links und nehmen sie den kleinen Weg vorbei an einer Rabatte mit flauschigen Gräser-Samenständen. Gehen sie nach oben, unter den letzten bunten Blättern des Amberbaums und der Eisenholzbäume durch und in die Clematissammlung. Etwas im Hintergrund versteckt erwartet Sie dort ein weisses Blütenmeer der Rispenblütigen Waldrebe (Clematis terniflora). Nun folgen sie dem Weg zwischen dem Gehölzsaum durch in den Silberhang mit den letzten Lavendelblüten. Nehmen sie den Weg hinter den Gewächshäusern durch zur Irissammlung. Auf der Südseite der "Insel-Rabatte" in der Rasenfläche sollten sie genau hinschauen. Dann können Sie die feinen Blüten einer Zephirblume (Zephyranthes candida) entdecken. Zum Schluss des Spaziergangs haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können den etwas längeren aber lohnenden Weg ins Rhododendrontal auf sich nehmen. Nebst einer fantastischen Herbstfärbung haben einige Rhododendren eine sogenannte Vorblüte. Das heisst, ein paar der nächstjährigen Blüten haben sich bereits dieses Jahr geöffnet.
Die zweite Möglichkeit ist, dass sie den Ausgang St. Jakob nehmen und sich als Abschluss in der Rabatte hinter dem Tor die ersten Schneeglöckchen anschauen.

 

Zephirblume (Zephyranthes candida)
Aster (Symphyotrichum 'Mü')
Verschiedene winterharte Fuchsien
Rispenblütige Waldrebe (Clematis terniflora)
Bergenie (Bergenia 'Herbstblüte')

Pflanze des Monats

Taschentuchbaum (Davidia involucrata)

Im Mai ist dieser Baum mit seinen weissen Blüten, die wie Taschentücher aussehen, leicht zu erkennen. Er bildet eine gleichmässige Krone und ist einfach schön, nicht zu gross und deshalb ideal für den Hausgarten, wenn er in gutem Boden mit genügend Feuchtigkeit steht.

Seine Entdeckung und Einführung in Europa bietet Stoff für einen Roman: Unabhängig voneinander entdecken ein Franzose und ein Brite diesen Baum an verschiedenen Orten. Beide senden getrocknete Pflanzenteile nach Europa, die dort für Furore sorgen. Um Samen des legendären Baums zu ernten, wird E.H. Wilson, ein junger Gärtner ohne Reiseerfahrung, von England über den Atlantik, mit dem Zug quer durch Amerika, über den Pazifik und auf dem Landweg nach China geschickt. Dort lebt ein englischer Botaniker, der weiss, wo ein Taschentuchbaum wächst. Die Pest wütet in Hongkong, kein Dolmetscher ist zu haben. Trotzdem findet der 23-jährige den Botaniker, von dem er eine ungenaue Skizze bekommt. Diese führt ihn schliesslich nach einer weiteren Reise zum frisch gefällten Baum - nach 21000 vergeblichen Kilometern. Frustriert entdeckt er stattdessen die Kiwipflanze. Taschentuchbäume findet er aber später doch noch und schickt davon viele Früchte nach Europa.

Und überhaupt, diese Früchte! Ihre Schönheit nimmt man viel zu selten wahr. Ihre Form erinnert ein wenig an Walnüsse, doch essen kann man sie nicht. An unserem Baum geschah übrigens vor Jahren ein Mysterium: Während einiger Wochen schimmerten seine Früchte golden und silbern. Ob es ein wundersamer Pilzbefall war, ein botanischer Vandale oder ein kunstsinniges Eichhörnchen… wer weiss?

Blütenspaziergang im Oktober

Der Oktoberspaziergang beginnt hinter den Gewächshäusern und dem Nutzpflanzengarten sogleich mit einem echten Hingucker. In der Böschung stehen nämlich zwei fruchtende Papiermaulbeerbäume (Broussonetia papyrifera). Ihre Früchte erinnern an orange, flauschige kleine Bälle. Hinter den Gewächshäusern überraschen viele in Blüte stehende Engelstrompeten (Brugmansia in Sorten), eine Korallenpflanze (Jatropha integerrima) und Jasmin (Jasminum elongatum).

Entlang des Weges zum zentralen Hofplatz leuchten gelbe Sternbergien (Sternbergia lutea) um die Wette und an der Seite des Museums für Pferdestärken sind die feinen Blüten einiger Wildfuchsien zu sehen. Mit Fuchsien geht es gleich weiter; nämlich über die Fuchsientreppe zwischen den zahlreichen, üppig blühenden Fuchsien-Sorten zum Dych hinunter.

Folgt man dem Dych, wird der alte Bauerngarten erreicht. Im Gemüseteil leuchten schon von weitem verschiedenste riesige Sonnenblumen und hinter einer Sitzbank erfreut die Rose 'Anne Frank' das Auge.
Im Arzneipflanzengarten blühen unter Anderem verschiedene Blumenrohre (Canna), eine Prachtnelke (Dianthus superbus), das Sibirische Herzgespann (Leonurus sibiricus), eine Staudenlobelie (Lobelia siphilitica) und eine üppige Gruppe von Nachtkerzen (Oenothera biennis). Als krönender Abschluss des Spaziergangs präsentiert sich das Salbei-Beet an der Mauer im Hof des Brüglingerhofs von seiner schönsten Seite.

 

Salbei (Salvia involucrata)
Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera)
Fuchsie (Fuchsia 'Minirose')
Prachtnelke (Dianthus superbus)
Engelstrompete (Brugmansia Hybride)

Pflanze des Monats


Topinambur (Helianthus tuberosus)

Kochen, backen, frittieren – alles ist möglich bei der Topinambur. Auch im Anbau ist sie unkompliziert. Einmal eingewachsen, ist sie kaum noch zu entfernen. Wer glaubt, alle Knollen geerntet zu haben, wundert sich im Frühling über ein volles Beet.

Topinambur stammt aus Nord- und Mittelamerika, wo er von vielen Indianerstämmen verwendet und auch gehandelt wurde. Er ist eine der missbenanntesten Pflanzen überhaupt. Nicht mal das Geschlecht ist klar. Es gibt den und die Topinambur. Beides ist korrekt, hat aber mit den zwittrigen Blüten nichts zu tun. Je nach Gegend heisst sie Erdbirne, Erdapfel, Ewigkeitskartoffel oder Jerusalem-Artischocke. Mit Äpfeln, Birnen und Kartoffeln hat er gar nichts, mit Artischocken immerhin die Familie gemeinsam und vielleicht den Geschmack, was aber Ansichtssache ist. Das "Jerusalem" im Namen kommt von seinem italienischen Namen "girasole articiocco", Artischocken-Sonnenblume. Girasole tönt im englischen Sprachraum wie Jerusalem, da kann so etwas leicht passieren. Aber immerhin sind wir auf der richtigen Spur: Es ist eine Sonnenblume!

Und das seltsame Wort Topinambur? Ein paar Knollen wurden von französischen Auswanderern in Kanada, welche dank ihnen eine Hungersnot überlebt hatten, um 1612 nach Paris geschickt. Zufällig war etwa zur selben Zeit eine Delegation der mit Frankreich verbündeten Tupinambá aus Brasilien dort zu Besuch. "Brasil, Canada… tant pis, c'est tous l'Amérique!" dachte man und benannte das neue Gemüse kurzerhand nach diesem Volk, welches noch nie davon gehört hatte.

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Artenreiche Wiesen in den Merian Gärten

Masterstudentin Célia Stutz hat den Sommer über in den Trockenwiesen der Merian Gärten die Artenvielfalt untersucht. Sie hatte dafür Untersuchungsflächen abgesteckt, wie wir im Juni informierten. Nun ist die Studie abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor.

Das Hauptziel war, ein Inventar der Pflanzenarten zu erstellen – also zu dokumentieren, welche Pflanzenarten vorkommen und wo diese wachsen. Célia Stutz konnte 106 Arten bestimmen: dabei waren 18 verschiedene Gräser, häufige Pflanzen wie Wilde Möhren (Daucus carota), Klatschnelken (Silene vulgaris) und Bunte Kronwicke (Securigera varia) aber auch einige seltenere Arten wie die Wander-Bibernelle (Pimpinella peregrina), die aus dem Mittelmeeerraum stammt.

Über die Artenzusammensetzung konnte Célia Stutz die Wiesen in verschiedene Typen kategorisieren und ihren Zustand bewerten. Insgesamt schneiden die Wiesen in den Merian Gärten relativ gut ab. Diesen Wiesen sind sehr artenreich, dennoch fehlen einige typische Arten wie Wiesenbocksbart (Tragopogon pratensis) und Golddistel (Carlina vulgaris). Ausserdem wächst an manchen Stellen zu viel Moos. Auch kommen in den Wiesen invasive Neophyten wie Armenische Brombeere (Rubus armeniacus) und Einjähriges Berufskraut (Erigeron annuus) vor, die sich stark ausbreiten und so einheimische Pflanzenarten verdrängen können.

Auch die Beobachtung von Schmetterlingen lässt eine Aussage über den Zustand der Wiesen zu. Célia Stutz konnte im Trockenbiotop den seltenen Himmelblauen Bläuling (Polyommatus bellargus) und das Gemeine Widderchen (Zygaena filipendulae) feststellen. Beide sind typisch für Trockenwiesen und ihre Anwesenheit ist ein sehr gutes Zeichen.

Die Erkenntnisse aus der Studie fliessen in den bestehenden Pflegeplan der Merian Gärten ein und helfen uns, die Pflege der geschützten Wiesen in den Gärten zu optimieren.

Was sind Trockenwiesen?

Bundesamt für Umwelt BAFU: Verordnung über den Schutz der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung

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EIN LAUSCHIGES PLÄTZCHEN ENTSTEHT

Neben der Villa Merian lag im 19. Jahrhundert (zur Zeit von Christoph Merian) ein lauschiger Sitzplatz. Lange Zeit war der Platz unter Gebüsch verschwunden, nun wird er wieder sicht- und brauchbar gemacht. Dabei orientieren wir uns an einem Plan des Englischen Gartens von 1839/40.

Bereits im Winter haben wir Eiben und Buchs entfernt die den Platz überwucherten hatten. Nun wird der alte Kiesbelag freigelegt und teilweise erneuert. Auch die historischen Randsteine aus Tuffstein werden ergänzt. Anschliessend pflanzen wir sommerblühende Sträucher, Frühlingsblumen und Farne.

Die Arbeiten werden eine Woche andauern. Schon bald lässt es sich hier im kühlen Schatten in aller Ruhe einen Kaffee geniessen.