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Pflanze des Monats Juli

Schmalblättrige Ölweide (Elaeagnus angustifolia)

Trotz des irreführenden Namens ist dieser hübsche Baum nicht näher mit Ölbaum oder Weide verwandt, sondern mit Sanddorn. Das Laub der schmalblättrigen Ölweide flirrt silbergrau im Sommerwind; die darunter verborgenen Dornen sorgen für heftige Gefühle, wenn man sie zu spät bemerkt.

Die kleinen, unscheinbaren Blüten duften angenehm, die Früchte sind mehlig, aber essbar. Die Wurzeln können mit Stickstoffbakterien eine Symbiose eingehen, was der Ölweide die Besiedlung schwieriger Böden ermöglicht. Zudem ist sie ein gutes Vogelschutzgehölz, dazu hitzeresistent und zur Böschungsbefestigung geeignet. Von den Imkern wird sie des bernsteinfarbenen, aromatischen Honigs wegen geschätzt. Sie wächst als Strauch oder kleiner Baum und lässt sich sogar als Hecke schneiden. Alles in allem ein vielseitiges und hübsches Gehölz, das – ausser einem Platz an der Sonne – kaum Ansprüche stellt.

Diese Ölweide kommt ursprünglich aus Asien, ist aber inzwischen im Mittelmeerraum, in Europa und  Amerika heimisch. Die inneren Werte bemerkt man erst, wenn das Bäumchen nicht mehr lebt: Das wunderschöne, schwere Holz! Der helle Splint bildet einen Kontrast zum dunklen Kernholz, das je nach Pflanze mittel- bis dunkelbraun ist, mit einer feinen Maserung und feinem Schimmer. Natürlich ist das kein Grund, diesen schönen Baum zu fällen! Falls dies aber nötig sein sollte, tröstet dieses Holz etwas über den Verlust hinweg.

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Pflanze des Monats Juni

Zartblättriger Spargel (Asparagus tenuifolius)

Spargel ist momentan in aller Munde, sei es alla Milanese oder auf klassische Art mit Butter und Schinken. Auch über das Spargelstechen war in den letzten Wochen einiges zu lesen. Aber Spargel kann mehr als nur gut schmecken; unter seinen rund 200 Arten finden sich beliebte Zierpflanzen und andere interessante Gewächse.

Eines davon ist der Zartblättrige Spargel. Mit etwas Glück kann man ihn im Tessin finden, wo er an trockenen Hängen im Gebüsch wächst. Die winzigen grünlichen Blüten verstecken sich im Laub, obwohl da nicht viel zu verstecken ist. Die Pflanze wächst sehr langsam, bleibt niedrig und bildet erst nach vielen Jahren einen grösseren Bestand. Alles in allem nicht gerade spektakulär…

Erst in letzter Zeit haben wir diesen kleinen Spargel so zu schätzen gelernt, wie er es verdient: Eingewachsene Pflanzen ertragen grosse Hitze und kommen ohne Giesswasser zurecht, was während der Klimaveränderung zunehmend wichtiger wird. Die gelbe Herbstfärbung leuchtet über mehrere Wochen und sieht zu Gräsern und Astern hinreissend aus. Doch das Schönste an ihm ist das Gefühl, wenn man diese fluffige Wuschelwolke aus feinstem Laub streichelt. Das macht glücklich!

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Pflanze des Monats Mai

Pfingstrose ‘Sarah Bernhardt’
Paeonia lactiflora ‘Sarah Bernhardt’

Exzentrisch, divenhaft und vergöttert: Sarah Bernhardt war die erfolgreichste Darstellerin ihrer Zeit. Sie brillierte im Theater und später im Stummfilm. Nach einer kurzen und finanziell desaströsen Ehe ging sie zur Geldbeschaffung auf Europa- und später auch auf Welttournee, was ihr weltweite Verehrung brachte. Sie übersetzte zudem Theaterstücke, schrieb Bücher und leitete mehrere Theater. Sie beschäftigte sich mit Malerei und Bildhauerei, verdrehte nebenbei etlichen Männern den Kopf und inspirierte Marcel Proust zu einer Romanfigur. Am Pariser Konservatorium hatte sie eine Professur, wurde Mitglied der Ehrenlegion, spielte aber auch im ersten Weltkrieg in Scheunen und Lazaretten hinter der Front Theater für die Soldaten. 1915 musste sie sich ein Bein amputieren lassen, was sie jedoch weder vom Theaterspielen noch von einer weiteren Tournee durch die USA abhielt. Und das mit über 70 Jahren!

Da erstaunt es nicht, dass Victor Lemoine, ein überaus erfolgreicher Gärtner, im Jahre 1906 eine seiner schönsten Züchtungen nach ihr benannte: Die Pfingstrose ‘Sarah Bernhardt’. Sie strotzt nur so von guten Eigenschaften: Kräftige Stiele, guter Wuchs, reiche Blüte, Gesundheit und schönes Laub. Sie ist weniger launisch als ihre Namenspatin, aber man sollte ihr während der Blütezeit eine Stütze geben. Ansonsten benötigt sie nur einen sonnigen Platz, etwas Wasser und guten Boden.

Sarah Bernhardt und ‘Sarah Bernhardt’ haben beide ein hohes Alter erreicht: Die Schauspielerin wurde 78 Jahre alt, die Pfingstrose weit über 100 Jahre; sie wird inzwischen weltweit als Schnittblume kultiviert. Noch immer begeistert sie die Menschen durch ihre Schönheit, ganz so wie einst Sarah Bernhardt, die Göttliche.

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Pflanze des Monats April

Dünnstängeliger Reiherschnabel
(Ardea cinerea)

Das Leben geht auch in Sonderzeiten weiter. In den leider momentan geschlossenen Merian Gärten freuen sich die Insekten über unaufgeräumte Beete, in denen abgestorbene Pflanzenreste stehengeblieben sind. Niemand stört der Erdkröten abendliche Treffen auf den Mergelwegen; die Singvögel kommen endlich zu Wort. Seit neuestem taucht eine interessante Sumpfpflanze oft ganz nah an den Wegen auf: Der Dünnstängelige Reiherschnabel.

Die ein bis zwei erstaunlich dünnen Stängel und der lange, gelbe Dorn bilden einen tollen Kontrast zum graufedrigen Laub. Die Pflanze wird bis zu einem Meter hoch und ist zweihäusig. Das heisst, dass zur Vermehrung sowohl männliche als auch weibliche Exemplare vorhanden sein müssen. Die Keimlinge entwickeln sich zuerst auf Bäumen und segeln nach knapp zwei Monaten zu Boden. Eine grosse Besonderheit stellen die beiden riesigen Blätter dar, die sich in kürzester Zeit entfalten können und dem Reiherschnabel helfen, an neue Plätze zu gelangen, vorzugsweise Gewässerränder und feuchte Wiesen. Dort kommt er vereinzelt oder in kleinen Gruppen vor und wirkt dank seines schlanken Wuchses und der grauen Belaubung sehr zierend.

Leider ist er nicht sehr ausdauernd und verschwindet schnell wieder. Zudem scheint er eine nachteilige Wirkung auf Kriechtiere, Mäuse und vor allem Fische zu haben. Deshalb sollte man ihn nicht in der Nähe von Koi-Teichen und kleinen Gartentümpeln ansiedeln. Doch wo die Bedingungen stimmen, ist diese Pflanze eine Bereicherung für Gärten und Parks. Wie viele Pflanzen hat er mehrere Namen, manche nennen ihn Grau- oder Fischreiher.

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Pflanze des Monats März

Farnblättriger Lerchensporn
(Corydalis cheilanthifolia)

Dieser entzückende kleine Farn geistert seit 20 Jahren durchs Rhododendrontal. In milden Wintern bekommen seine Wedel eine schöne Bronzefärbung, im Frühjahr treibt er frischgrün aus und erfreut Hummeln und Menschen durch seine hellgelben Blüten.

Blüten? Blüten. Also doch kein Farn, denn ein Farn mit Blüten ist keiner. Zu der Zeit, als sich die Farne entwickelten, gab es dieses neumodische Zeug noch nicht; damals vermehrte man sich noch durch Sporen, nach alter Sitte. Ein Blick aufs Etikett löst das Rätsel: Es ist der Farnblättrige Lerchensporn. Er wird nur wenige Jahre alt, bildet aber reichlich Samen (auch so ein neumodisches Zeug, da sind sich Farne und Moose einig) und taucht an immer neuen Orten auf, ohne lästig zu werden. Und wenn er sich doch mal an eine unpassende Stelle verirrt hat, kann man ihn einfach umpflanzen oder auch verschenken.

Der Farnblättrige Lerchensporn stammt – wie auch viele andere faszinierende Schattenpflanzen – aus Chinas felsigen Bergwäldern. Er wächst bei uns fast überall, wo es nicht zu trocken ist. Am besten pflanzt man ihn an einen schattigen Standort zwischen Steinen, in eine Blockmauer oder am Rand einer schattigen Kiesfläche. Mit Hilfe von Ameisen, die seine Samen verteilen, taucht er gelegentlich auch an unerwarteten Orten auf und passt genau dort perfekt hin.

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Pflanze des Monats Februar

Duft-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii)

Wenn es an einem sonnigen, milden Wintertag plötzlich duftet, steht oft ein unscheinbarer Strauch in der Nähe: Die Duft-Heckenkirsche. Elegant ist sie wahrhaftig nicht. Langweiliges Laub kaschiert im Sommer den eher sperrigen Wuchs und - in wintermilden Gegenden - leider oft auch die eher kleinen Blüten. Zudem benötigt sie viel Platz. Man kauft ein zierliches Pflänzchen, setzt es ins Beet und ärgert sich fünf Jahre später über das drei Meter breite Gestrüpp, welches fast alle Nachbarpflanzen verdrängt hat. Mit etwas Glück leben diese noch, verschüchtert und völlig überwuchert.

Immerhin lässt sich über diese Heckenkirsche auch Positives schreiben: Sie ist anspruchslos, wächst in fast jedem Boden, muss kaum geschnitten werden und kommt mit Sonne und Halbschatten zurecht. Man sollte nur darauf achten, sie dort zu pflanzen, wo man im Winter öfter vorbeikommt, zum Beispiel am Hauseingang oder neben der Terrasse.

Denn dann merkt man, warum sie trotz ihres sperrigen Wesens in vielen Gärten steht: An milden Wintertagen öffnen sich die kleinen, crèmefarbenen Blüten und verströmen bei Sonne ihren wunderbaren Duft. Ein paar Zweige in der Vase wecken selbst in kalten Winterseelen die Hoffnung auf Frühling, Wärme und Glück.

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Pflanze der Monate Dezember und Januar

Tilia platyphyllos

Linden… was könnte man alles darüber schreiben! Von Tanzlinden, Gerichtslinden, von Schnitzereien, Symbolik und unzähligen Gasthöfen zur Linde. In vielen Gegenden wurden sie mitten im Dorf gepflanzt. Da sie in der Natur gar nicht so häufig vorkommen, zeigen einzelne Linden im Flachland oft ehemalige Dörfer oder Gehöfte an.

Manche Linden können bis zu 1000 Jahre alt werden. Verglichen mit diesen Baumdenkmälern ist die grosse Linde in Brüglingen mit ihren nicht mal 200 Jahren noch ein Jungspund. Vermutlich wurde sie etwa 1835 gepflanzt, als das Hofgut Vorder Brüglingen von Christoph und Margaretha Merian erbaut wurde. Immerhin ist sie damit älter als die Elisabethenkirche, Drämmli und Mustermesse.  

Die zunehmende Hitze setzt unserer Linde zu. Bei Trockenheit wird sie bewässert, und die Baumpfleger kümmern sich um ihre Gesundheit und Stabilität. Meisen, Baumläufer, Lindwürmer, Feuerwanzen und wir alle hoffen, dass diese Linde noch lange mit ihrem zarten Austrieb, dem sommerkühlen Schatten und ihrer mächtigen Gestalt diesen Ort beschützt.  

*Aufgrund von Kälte und Dunkelheit bleibt die Pflanze des Monats Dezember frisch bis Ende Januar.

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Pflanze des Monats

Freiland-Fuchsie (Fuchsia magellanica)

Ja, es gibt sie, die (fast) perfekte Pflanze mit roten Blüten bis zum Frost, welche sich auch gut in der Vase macht. Die zudem wertvollen Honig liefert, nicht zu gross wird und ungiftig ist: Die Freiland-Fuchsie ist eine Bereicherung für fast alle Gärten und kommt mit jedem halbwegs normalen Boden zurecht, wenn es nicht zu trocken ist. Sie wird viel zu selten gepflanzt. Am häufigsten bekommt man 'Gracilis', es gibt aber auch weisse und zweifarbige Sorten.

Die Freiland-Fuchsie stammt von der Südhalbkugel, aus Patagonien. Dass ihre Blüten deshalb nach unten zeigen, ist aber nur ein alter Gärtnerwitz; sie hängen, weil sie in regenreichen Gebieten wachsen. Dort werden sie von Kolibris bestäubt, aber hiesige Bienen und Hummeln erledigen dies genauso gut, wie man an den zahlreichen Beeren erkennen kann. Diese sind essbar, wenn auch etwas fad und kratzend.

Das 'Freiland' im Namen der Fuchsie darf man nicht überall wörtlich nehmen, in kühleren Gegenden braucht sie einen Winterschutz aus trockenem Laub und Tannenzweigen. Im April wird sie zurückgeschnitten und mit etwas Kompost oder Dünger versorgt. Im Sommer wird sie manchmal von grossen Raupen des Mittleren Weinschwärmers befallen. Statt deshalb in Hysterie zu verfallen, sollte man sich daran freuen und den Viechern ein paar Zweige gönnen: Der Schaden hält sich in Grenzen, diese Nachtfalter sind wunderschön - und auch wir schwärmen schliesslich für Wein.

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Pflanze des Monats Oktober

REINECKIE (Reineckea Carnea)

Dieses Gras wuchs jahrelang unbeachtet in einer dunklen Ecke, bis wir bemerkten, dass es gar keines ist. Die Pflanze heisst Reineckie und ist ziemlich entfernt mit Maiglöckchen verwandt ­­­- gewissermassen eine Cousine fünfzehnten Grades.

Der im Handel verbreitete Name Japanisches Maiglöckchen ist leider irreführend: Dieses Gewächs bietet im Mai kein einziges Glöckchen und ist einfach nur grün. Doch welch ein Grün! Kräftige Blätter stehen dicht an dicht und wachsen noch im tiefen Schatten. Zu viel Sonne und Trockenheit mögen sie nicht, warme Plätze an einem windgeschützten Standort sind ideal.

In den Merian Gärten stehen diese unscheinbaren Schattenhelden seit mindestens 30 Jahren und breiten sich ganz langsam aus. Da blüht nichts.

Auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Aber schauen Sie genauer unter die Blätter! Unter dem Grün, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, erscheinen im Oktober zartrosa Blüten dicht über dem Boden. In Katalogen wird oft von Duft berichtet, wir haben bisher jedoch nur ganz leichten Modergeruch feststellen können. Duften können andere Pflanzen besser. Die versteckten Blüten der Reineckie sind hübsch, und Kniebeugen sind gesund.

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Pflanze des Monats

DUNKELLAUBIGE SEPTEMBER-SILBERKERZE (Actaea simplex 'Atropurpurea')

Eigentlich wäre diese September-Silberkerze ein Muss für jeden Garten: Im Frühling hält sie sich vornehm zurück und überlässt ihren Platz Krokussen, Tulpen oder Schneeglöckchen; auch den sommerblühenden Pflanzen stiehlt sie nicht die Schau, sondern sorgt mit ihrem dunklen Laub für dezente Begleitung. Doch im September, wenn die meisten Stauden sichtlich erschöpft sind von der Mühe des Sommers, öffnen sich ihre weissen Blüten. Wenn der Wind günstig steht, streicht ihr Duft über den ganzen Platz.

Eigentlich. Doch diese Silberkerze hat Ansprüche, welche im heissen, trockenen Basel etwas schwierig zu erfüllen sind: Einen kühlen Platz im Halbschatten hätte sie gern, und dazu humus-reichen, feuchten Boden, bitteschön. Und nicht zu viel Konkurrenz durch grosse Bäume... Ohne regelmässiges Giessen wären unsere Pflanzen schon im ersten Sommer vertrocknet.

Und dann ist da noch das Namensdurcheinander: Zuerst hiess die Silberkerze Actaea, vor über hundert Jahren wurde sie in Cimicifuga umbenannt. Seit 20 Jahren ist man wieder bei Actaea angelangt, was aber viele Gärtnereien nicht wissen. Und die Art erst! Mal heisst sie Actaea ramosa (was es gar nicht gibt) oder racemosa (was eine ganz andere Art aus Amerika ist). Aber all das ist letztendlich egal - Hauptsache, es geht wieder los mit dem Tanz der weissen Würste!