Pflanze des Monats

Herbst-Krokus (Crocus speciosus)

Es lässt sich nicht mehr leugnen, sogar dieser unendliche Sommer ist vorbei. Die Pflanzen bäumen sich ein letztes Mal mit flammendem Laub gegen Kälte und Dunkelheit auf, Früchte werden prall und weich, alles verblüht, verwelkt, vergeht…

Fast alles, denn plötzlich sind da: Krokusse! Im Herbst! Zerbrechliche Stiele schieben blauviolette oder weisse Blüten aus dem Boden. Bei Regen knicken sie oft um, doch die nächsten Knospen sind schon bereit. Bei Sonnenschein öffnen sie sich und zeigen ihre gelben Narbenschenkel, deren schlimmer Name ihrer filigranen Schönheit nicht gerecht wird. Später im Frühling erscheint dann das grasartige Laub - wenigstens hier halten sich diese Krokusse an den üblichen Zeitplan.

Sie stammen aus dem südlichen Kaukasus. Wie auch andere herbstblühenden Zwiebeln und Knollen werden sie schon im Sommer gepflanzt. An den Boden stellen sie keine grossen Ansprüche, aber einen sommertrockenen, warmen Platz hätten sie gern, vorzugsweise leicht halbschattig, und idealerweise zwischen niedrigen Polsterpflanzen. Mit Lavendel 'Hidcote' oder einer anderen herbstblühenden Sorte in der Nähe entsteht eine Kombination, die es blütezeittechnisch nur selten gibt: Krokus mit Lavendelblüten, ganz ohne Bildfälschung!

Pflanze des Monats

Mexikanische Dreimasterblume (Tradescantia pallida)

Hübsch, eher klein und nachmittags oft schon verblüht: Die Blüten der Mexikanischen Dreimasterblume sind nichts für Feierabendgärtner. Aber wen interessiert das schon angesichts der Laubfärbung! An sonnigem Standort zeigt das exotische Gewächs ein eigenartiges Purpurviolett mit grauem Hauch. Die geaderten Hochblätter stehen an den Spitzen waagrecht ab und erfreuen aus der Nähe durch ihre markante Struktur.

Da Blätter oft länger attraktiv sind als Blüten, eignen sich buntlaubige Pflanzen sehr gut für langanhaltende Farbkompositionen. Mit der Mexikanischen Dreimasterblume kann man aus dem Vollen schöpfen: Düster-dramatisch mit dunkellaubiger Süsskartoffel, Colocasia oder roter Gartenmelde, kontrastreich mit orangefarbenen Buntnesseln oder ganz allein vor einer Ziegelmauer oder in türkisfarbener Keramik oder… oder… oder auch… Leider ist die Herrlichkeit nach dem ersten Frost vorbei, man kann aber im Herbst ein paar Stängel in Wasser stellen und später eintopfen, um sie als Zimmerpflanze über den Winter zu retten.

Aber aufgepasst: Dieses exotische Gewächs ist so wenig zurückhaltend wie seine Farbe. Zarte Nachbarpflänzchen werden resolut überrollt. Trockenheit steckt sie weitgehend locker weg. Bodeneigenschaften sind ihr ziemlich egal. In Ländern wie Kuba oder Australien gilt sie inzwischen als invasives Unkraut, verbreitet sich dort munter durch bewurzelnde Bruchstücke und besiedelt rasch grosse Flächen. Ihre Bekämpfung ist schwierig. Deshalb ist ihr Manko, die fehlende Frosthärte, gleichzeitig ein grosses Glück.

Pflanze des Monats

Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria)

Wasser, Wärme, Dünger, und das alles in rauen Mengen – so kann man die Bedürfnisse dieser Pflanze beschreiben. Dazu einen geschützten Standort und je nach Sorte ein stabiles Gestell, um die schweren Früchte tragen zu können. Und dann noch das mühselige Aufpäppeln der Jungpflanzen - lohnt sich das überhaupt?

Es lohnt sich! Der Flaschenkürbis ist eine der ältesten Nutzpflanzen und weltweit in warmen Ländern verbreitet. Er stammt ursprünglich aus Afrika, hat dank seiner schwimmfähigen Früchte vor langer Zeit den Atlantik überquert und wurde in Mittelamerika schon in vorkolumbianischer Zeit angebaut. Auf dem Landweg brachten ihn Menschen vor Jahrtausenden nach Südeuropa, Arabien, Indien bis nach Ostasien und Polynesien. Dabei hat sich aufgrund der vielfältigen Verwendung eine unglaubliche Anzahl Sorten entwickelt. Flaschenkürbisse eignen sich zur Herstellung von vielerlei Gefässen, Geschirr, Musikinstrumenten, Weichteilfutteralen, Löffeln und anderen Dingen des täglichen Gebrauchs. Die jungen, noch unreifen Früchte (botanisch gesehen wären es Beeren…) sind essbar, wenn sie nicht die für Kürbisgewächse typischen Bitterstoffe enthalten. Das gilt übrigens auch für Gurken, Melonen oder Zucchetti: Bittere sind sehr giftig!

Abgesehen davon ist der Flaschenkürbis einfach eine schöne und interessante Pflanze. Er begrünt Klettergerüste, blüht des Nachts weiss und duftend, und seine wohlgeformten Blätter riechen mehr oder weniger angenehm nach Moschus. Doch all dies wird im Spätsommer noch übertroffen von der Schönheit seiner seltsamen Früchte.

Pflanze des Monats

Grauer Bergfenchel (Seseli gummiferum)

Eigentlich ist schon die Schönheit dieses Bergfenchels Grund genug, ihn in die Gärten zu holen. Sein filigranes Blattwerk, die geometrisch aufgebauten Dolden, der Blütenreichtum und die eigenartige Struktur fallen sofort ins Auge. Dazu kommt seine Anspruchslosigkeit: Viel Sonne und gute Drainage. Sand, Lehm, saurer oder kalkhaltiger Boden passen ihm gleichermassen, solange es nicht zu feucht und nährstoffreich ist. Sommerhitze ist kein Problem für ihn, und obwohl er aus warmen Gegenden wie der Ägäis oder der Krim stammt, ist er erstaunlich winterhart, aber nur einmal: Nach der Blüte stirbt er ab, versamt sich aber reichlich.

Als ob all dies nicht genug wäre: Bergfenchel ist (wie alle Doldenblütler) eine Freude für Insekten. Abertausende winziger Blüten wimmeln von Fliegen, Streifenwanzen und Wildbienen, mit etwas Glück tauchen auch Hornissen-Schwebfliegen und Weichkäfer auf oder besser ein. Man könnte stundenlang zusehen… Theoretisch wären die Dolden gute Schnittblumen, aus den Stängeln liesse sich eine Art essbares Gummi herstellen. Aber wer schneidet schon solch eine Pflanze ab!

Im Gegensatz zum trockenen "Bergfenchel" beflügelt die englische  Bezeichnung "Mondkarotte" (Moon Carrot) die Fantasie. Poetische, märchenhafte, vielleicht sogar unheimliche Gedanken entstehen. Das schaffen die wenigsten Pflanzen!

Pflanze des Monats

Merian Gärten (Hortus merianorum 'Mirabile')

Es gibt sie, die langblühende, farbenfrohe und duftende Nutzpflanze. Sie ist mehrjährig, sieht das ganze Jahr über ansprechend aus und bietet Nahrung  und Lebensraum für vielerlei Getier. Die Blüte beginnt schon im Januar, schwingt sich zu ungeahnten Höhen im Frühsommer auf und setzt mit der flammenden Herbstfärbung ein grandioses Novemberfinale. Und erst der Duft! Honigsüss im Spätwinter, später fliedrig, dann folgen Azaleen-, Iris- und Rosenparfüm sowie Heu-, Lavendel- und Apfelkuchendüfte. Apropos Apfelkuchen: Diese Pflanze dient zur Gewinnung von Obst, Gemüse, Textilien, Farben, Wolle, Eiern und sogar Suppenhühnern.

Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass dieses Gewächs ziemlich anspruchsvoll ist. Vom Dachs wird es durchlöchert, vom Biber benagt, vom Buchsbaumzünsler entlaubt, und des Blausiebs Benehmen spottet jeder Beschreibung. Schorf, Rost und Brandkrustenpilz dräuen, im Boden lauert der Hallimasch. Zudem braucht die Pflanze viel Platz für ihre optimale Entfaltung. In den letzten Jahren hat sie sich auf über achtzehn Hektaren ausgebreitet, was einer Fläche von 17 Fussballfeldern entspricht. Die intensiven Pflegemassnahmen wie Wässern, Rückschnitt, Düngen und Pflanzenschutz benötigen viel Personal, Werkzeug, Fachwissen und Liebe.

Diese erstaunliche Pflanze ist hier in der Region endemisch. Am besten gedeiht sie auf Birsschotter und humosem Boden, in Wassernähe, an Trockenhängen, in Sonne und Schatten. Ihr Samen wurde tief in der Vergangenheit gelegt. Sie keimte vor fünfzig Jahren und hat sich seither prächtig entwickelt. Bisweilen treibt sie seltsame Blüten, macht aber viel Freude und ist eine Zierde für Stadt und Land. Da sie langlebig, anpassungsfähig und robust ist, wird sie auch die nächsten Jahrzehnte die Bevölkerung erfreuen. Und die Hirschkäfer.

Pflanze des Monats

Wechselblättriger Sommerflieder (Buddleja alternifolia)

So sperrig der Name auch sein mag: Der wechselblättrige Sommerflieder ist einer der schönsten Sträucher in unseren Gärten. Seine langen, peitschenartigen Triebe sind der Länge nach mit leicht duftenden Blüten in allerzartestem Lila bedeckt, sein filigranes Laub erinnert an Weiden.

Im Gegensatz zum bekannteren Sommerflieder (Buddleja davidii) blüht diese Art leider sehr kurz und nur an den im vorigen Jahr gebildeten Trieben, was einen Rückschnitt im Winter verbietet. Um den lockeren Wuchs und die langen, peitschenähnlichen Blütentriebe zu fördern, schneidet man den wechselblättrigen Sommerflieder unmittelbar nach der Blüte zurück. Dabei entfernt man Samenstände und trockene Zweige. Das ist gar nicht so einfach, denn die noch weichen Neutriebe (welche im nächsten Jahr blühen werden) sind sehr zerbrechlich. Mit Stützpfahl, etwas Knowhow und jahrelanger Geduld lässt sich dieser Strauch sogar zu einem kleinen Baum formen.

Es gibt jede Menge Blütensträucher, welche einfacher zu schneiden sind, mit grösseren, bunteren Blüten, hübscheren Namen und langer Blütezeit. Da stellt sich schon die Frage: braucht es dieses Gewächs überhaupt? Die Antwort, im Brustton tiefster Überzeugung: Jawoll!

Pflanze des Monats

Hundszahn (Erythronium 'Pagoda')

Der Hundszahn, von dem es auch eine seltene einheimische Art gibt, ist eine eher unübliche Zwiebelpflanze für den Halbschatten. Im Gegensatz zu anderen Pflanzen dieser Gattung ist die Sorte 'Pagoda', eine  Kreuzung zweier amerikanischer Wildarten, relativ anspruchslos und wüchsig.

Die Zwiebeln werden im Herbst gepflanzt. Beim Kauf muss man darauf achten, dass sie frisch sind, weder geschrumpft noch angeschimmelt. Hacken sollte man vermeiden, da sonst die wertvollen Zwiebeln verletzt würden. Den richtigen Standort (Halbschatten, humos, nicht zu trocken) vorausgesetzt, sind sie langlebig und wunderschön.  Sie stehen hier seit fast zwanzig Jahren und scheinen sich wohl zu fühlen.

Der Name "Hundszahn" hat weder mit dem Geruch noch mit der Beisswütigkeit der Pflanze zu tun, sondern mit der Form: Die Zwiebel unserer europäischen Art sieht aus wie der Eckzahn eines Hundes. Die der amerikanischen Arten sind um ein Mehrfaches grösser, der dementsprechende Hund wäre ungefähr drei Meter hoch. Ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht, bissiger Hundszahn!" am Gartentor wirkt jedenfalls respekteinflössend.

Pflanze des Monats

Balkan-Windröschen (Anemone blanda)

Über den Balkan, Zypern, Syrien, Türkei oder den Kaukasus liest man meistens im Zusammenhang mit bedrückenden Nachrichten. Dabei geht vergessen, dass diese Namen nicht nur Konflikte bezeichnen, sondern auch für atemberaubende Natur und eine phantastische Pflanzenvielfalt stehen.

Das Balkan-Windröschen zum Beispiel ist in all diesen Gegenden heimisch, fühlt sich aber auch hier sehr wohl. Jedes Jahr im März, wenn die Krokusse allmählich verblühen, öffnet es seine blauvioletten Sterne. Am besten kauft man die kleinen Wurzelknollen im Herbst, am allerbesten viele. Sie sehen aus wie Erdklümpchen und sollten sofort an Ort und Stelle eingegraben werden. Wer sie zuerst im Beet verteilt, um sie etwas zu drapieren und danach zu pflanzen, findet die meisten davon nie wieder. 

In unserem kalkhaltigen, schweren Boden gedeihen die Balkan-Windröschen prächtig, obwohl in manchem Katalog (…log!) bisweilen von "kalkfreiem Standort" gefaselt wird. Sie wachsen nicht nur unter Gehölzen, sondern auch zwischen Stauden und bilden dort durch Selbstaussaat allmählich grössere Bestände. Aber nur, wenn man sie in Ruhe wachsen lässt, denn durch Hacken werden sie zerstört.

Pflanze des Monats*

Japanische Aukube (Aucuba japonica 'Variegata')

An sich wäre diese Pflanze ja ganz nett. Ihr immergrünes Laub, ihre kleinen, aber hübschen Blüten und später die roten Beeren… doch der Teufel steckt im Detail. Nur die männlichen Pflanzen blühen auffällig. Die weiblichen Exemplare verstecken ihre Blüten im Laub, doch sie entschädigen uns mit roten Beeren. Aber nur, wenn ein Männchen in der Nähe ist. Eine Ausnahme ist die Sorte 'Rozannie', sie ist zwittrig und bildet deshalb auch ohne Partner rote Beeren aus. Essbar sind diese aber nicht.

Dieser ostasiatische Strauch ist erstaunlich robust und hält selbst in trockenem Schatten aus, wenn man ihm die ersten Jahre ab und zu etwas Wasser spendiert. Im Schutz von Baumkronen ist er einigermassen winterhart und könnte eine Zierde unserer Gärten sein. Könnte…

…doch da gibt es noch die Sorte 'Variegata'. Sie ist die am häufigsten gepflanzte Aukube. Die einen finden ihr fröhlich getupftes Laub wunderschön, andere fühlen sich dabei an Viren, Wanzenbefall und Pestilenz erinnert. Und das zu Recht: Ein Virus ist schuld an den gelben Flecken. Doch Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.

 

*Aufgrund von Kälte und Dunkelheit bleibt die Pflanze des Monats Dezember frisch bis Ende Januar.

Pflanze des Monats

Herbst-Schneeglöckchen (Galanthus elwesii x ?)

Schneeglöckchen im Herbst? Ist der Klimawandel schuld? Fehlgeleiteter Züchterehrgeiz? Oder ist gar die Welt aus den Fugen? Nichts von alldem trifft zu, obwohl wir uns beim letzten Punkt nicht ganz sicher sind - auf die frühe Blüte hat dieser jedenfalls keinen Einfluss. Diese Schneeglöckchen sind Kreuzungen zwischen dem Grossblütigen Schneeglöckchen und anderen, teils herbstblühenden Arten. Nach ein paar kalten Herbsttagen starten die ersten durch, spätere Exemplare lösen sich danach ab, und die letzten werden Sie hier noch im März finden. Danach wirkt ihr graues Laub noch eine Zeitlang sehr attraktiv.

Die herbstlichen Blüten sind oft zwischen grösseren Pflanzen verborgen und werden leicht übersehen, dabei wirken sie zauberhaft zu Herbstlaub und Gräsern. Wir versuchen, einen Kompromiss zu finden zwischen Schneeglöckchen und Astern, denn wenn die kleinen weissen Blüten schon Mitte Oktober erscheinen, müssen wir ihnen etwas Luft verschaffen und andere Pflanzen zurückschneiden.

Mit etwas Glück findet man diese Pflänzchen im Gartencenter, wo sie oft fälschlicherweise unter dem Namen Galanthus nivalis (das "normale" Schneeglöckchen) verkauft werden. Am besten sucht man sich Typen mit breiten, grauen Blättern aus und hofft, dass darunter ein paar herbstblühende sind. Denn es gibt einen gewichtigen Grund, diese zu setzen: Wenn die Schneeglöckchen blühen, ist der Winter vorbei. Und das kann nicht früh genug sein. In diesem Sinne:

Frühling!

Pflanze des Monats

Buschnessel, Amethystblume, Harfenstrauch, Trompetenspornblume...
(Isodon effusus)

Erinnern Sie sich noch an den desaströsen Spätfrost im letzten April? An die erfrorenen Austriebe der Rhododendren, an vernichtete Scheinhortensien? Auch die Buschnessel war nur noch ein Häufchen Elend mit totem Laub an schwarzen Stielen. Doch die Zeit heilt Wunden, und wir sind selbst überrascht, wie gut sich die Pflanze seither erholt hat.

Sie stammt aus Japan, ist in Europa noch nicht lange erhältlich und hat deshalb keinen allgemeinen deutschen Namen. Dies hat dazu geführt, dass ihr manche Gärtnereien einen eigenen gegeben haben. Eine kleine Auswahl finden Sie oben. Die wörtliche Übersetzung wäre "Ausgebreiteter Gleichzahn", aber so etwas möchte wohl niemand kaufen. Mit dem botanischen Namen Isodon ist es aber auch nicht besser, da die Pflanze mehrfach umbenannt wurde und deshalb auch als Plectranthus oder Rabdosia zu finden ist. Wenn überhaupt - denn leider ist auch die späte Blüte ziemlich frostempfindlich und macht die Verwendung in vielen Gegenden schwierig.

Hat man das passende Klima, einen halbschattigen, feuchten, humosen Gartenteil und sogar eine Buschnessel ergattert, freut man sich im Oktober über wunderschöne blaue Blüten. Wenn man nicht während des Sommers diese seltsame Brennessel, die dort wuchs, gejätet hat. Ja, wir sprechen aus Erfahrung.

Pflanze des Monats

Paprika, Peperoni, Peperoncini, Chili, Cayenne, Spanischer Pfeffer (Capsicum annuum)

Unter Paprika, Peperoni und Peperoncini kann sich jeder etwas vorstellen, aber leider oft etwas anderes. Paprika ist hier ein Gewürzpulver, die Deutschen verstehen darunter Peperoni, und nicht mal das Geschlecht ist geregelt: der oder die, je nach Gegend. Das Paprika findet sich sicherlich auch irgendwo. Unter Peperoni verstehen unsere Nachbarn Peperoncini, was schon zu Zerwürfnissen beim gemeinsamen Kochen geführt hat. Daneben heissen die scharfen Beeren unter anderem Cayennepfeffer, Chili oder Spanischer Pfeffer. Beeren? Ja, Beeren, botanisch gesehen - wie auch Tomaten, Melonen, Kürbisse und Gurken.

Ursprünglich stammen Peperonipflanzen alle aus Amerika. Man kann sich kaum vorstellen, wie typische Gerichte in Asien, Ungarn oder im Mittelmeergebiet vor dessen Entdeckung zubereitet wurden - ganz ohne Chilis, Pimiento, Paprika oder Cayenne. Ursprünglich verwendete man Ingwer oder Pfeffer, um die gewünschte Schärfe zu erreichen, welche das Schwitzen fördert und somit hilft, tropische Hitze besser zu ertragen.

Aber was nützt die Schärfe den Chilipflanzen? Man vermutet, dass sie den Wirkstoff Capsaicin bilden, um Säugetiere abzuschrecken. Für Vögel hingegen ist das kein Problem, da ihre Geschmacksrezeptoren anders aufgebaut sind und sie die Schärfe gar nicht spüren.

Pflanze des Monats

Mondwinde (Ipomoea alba)

Die sich mit ihren raupenbeinähnlichen Zähnchen ans Gitter schmiegenden Ranken der Mondwinde sollte man sich genauer ansehen, ebenso die hübschen Samenkapseln mit ihren langen Kelchspitzen. Und erst die Blüten! Höchstwahrscheinlich sehen Sie hier verschrumpelte, welke Blütenruinen, doch frühmorgens erhascht man einen Blick auf die vergängliche Pracht: Gross, weiss, rund und duftend.

Sie blühen nur nachts, denn diese Blüten sind angepasst an die Bestäubung durch Nachtfalter. Der starke Duft und das im Mondlicht leuchtende Weiss helfen diesen faszinierenden Flattertieren, die Blüten im Dunklen zu finden. Wie Kolibris schweben sie und senken ihre dünnen Rüssel bis an den Grund der langen Blütenröhre, was man mit etwas Glück an späten Sommerabenden beobachten kann.

Und nicht nur dies: Mit etwas Geduld, einem Klappstuhl und kühlen Getränken lässt man sich vor einer Mondwinde nieder und beobachtet die grössten Knospen. Schon spätnachmittags werden sie allmählich dicker, bekommen eine interessante Spiralform… und öffnen sich plötzlich innert Minuten. Die Nachtfalter können kommen.

Pflanze des Monats

Wilde Karde (Dipsacus fullonum)

Schon vor der Blüte fallen die Blattbasen der wilden Karde ins Auge. Nach Regenfällen sind sie mit Wasser gefüllt und haben schon Vögel oder Wandernde erfrischt, zumindest im alten Griechenland. Dipsa hiess dort Durst. Vom Versuch ist aber abzuraten: Die kleinen Badewannen werden oft von lebenden oder toten Krabbeltieren besetzt.

Viele Pflanzen blühen von unten nach oben auf, einige wenige von oben nach unten. Die Karde startet in der Mitte. Erst erscheint ein Blütengürtel um die etwas breit geratene Taille herum, teilt sich nach ein paar Tagen und wandert auf- und gleichzeitig abwärts. Je weiter die Gürtel auseinander liegen, desto älter sind die Blüten. Hummeln, Bienen und Schwebfliegen besuchen diese gerne und lassen sich dort gut fotografieren.

Nach der Blüte stirbt die ganze Karde ab, die Samenstände sehen aber den Winter durch sehr schön aus, und man sollte sie stehen lassen - auch der Vögel wegen. Und siehe da, im nächsten Jahr tauchen überall stachlige Blattrosetten auf, man freut sich über die neue Kardengeneration. Jahre später stellt man fest, dass der ganze Garten damit überwuchert ist. Die Krabbeltiere freut's…

Pflanze des Monats

Storchschnabel (Geranium 'Rozanne')

Der Storchschnabel 'Rozanne' blüht bis zum Frost, ist wüchsig und schön. Eine unkomplizierte Pflanze, doch sie birgt nomenklatorische Abgründe: Vom altgriechischen Geranos (Kranich) ist der Gattungsname Geranium abgeleitet, somit müsste der Storchschnabel eigentlich Kranichschnabel heissen. Storch hiesse Pelargos, Storchschnabel daher eigentlich Pelargonium. Diese Gattung gibt es auch: Die altbekannte Balkonpflanze, die zweihundert Jahre nach ihrer Umbenennung im Volksmund immer noch Geranium genannt wird. Soviel zum Gattungsnamen.

Und nun zur Sorte: Um die Verwirrung perfekt zu machen, spukte vor Jahren Geranium 'Jolly Bee' durch die Gärtnereien. So mancher wunderte sich über die frappante Ähnlichkeit zu 'Rozanne'. Genetische Untersuchungen haben inzwischen den Verdacht bestätigt, dass die beiden Sorten identisch sind. Da 'Rozanne' unter Sortenschutz steht, ist der Name 'Jolly Bee' inzwischen illegal. Sachen gibt’s...

Sogar über die Farbe der Blüten finden sich unterschiedliche Infos.Mal wird sie als rötlichviolett, mal als blau beschrieben, und man findet Fotos in allen Schattierungen. Des Rätsels Lösung: Je kühler es ist, desto blauer wird die Blüte. Im Sommer ist 'Rozanne' deshalb nichts Besonderes, doch im Herbst entwickelt sich dieser Storch-, Kranich- oder Weiss-der-Geierschnabel zu einem echten Hingucker.

Pflanze des Monats

Japangras (Hakonechloa macra 'Allgold')

Wonnemonat Mai! An Sträuchern, Bäumen, Stängeln, an Wegrändern und Rosenbögen, in Hecken, Sümpfen und sogar in den Blumenbeeten: Alles blüht. Naja, fast alles… ausser dem Japangras. Doch seine Sorte 'Allgold' stiehlt mit ihrem gelbgrün strahlenden Laub vielen Blumen die Schau.

Dieses Waldgras bleibt eher niedrig und lässt sich vielseitig verwenden. Sei es als kontemplative Flächenpflanzung unter Japanischem Ahorn, zwischen Felsen und Funkien, dramatisch mit schwarzlaubigen Stauden kombiniert oder als Wegbegleitung, als Aufheller in dunklen Ecken… der Ideen sind viele. Am besten pflanzt man dieses Gras im Frühling und wählt einen halbschattigen Standort, der im Sommer nicht austrocknet.  

Die Pflege ist einfach: Einfach das braune Laub im Spätwinter zurückschneiden und im Herbst ein paar kleine Zwiebeln oder Knollen von Blaustern, Krokus oder Balkan-Anemone in das Japangras pflanzen, damit dann doch etwas blüht.

Pflanze des Monats

Japanischer Glanz-Schildfarn (POLYSTICHUM POLYBLEPHARUM)

Aus den feuchtschattigen Wäldern Ostasiens stammt dieser auffallend schöne Farn und passt sehr gut zu anderen Schätzen von dort wie zum Beispiel Rhododendren, Wachsglocken oder Hosta. Mit seinen glänzenden Wedeln und seiner majestätischen Gestalt ist er einer der attraktivsten winterharten Farne.

Der Japanische Glanz-Schildfarn benötigt ein paar Jahre, um zu voller Schönheit zu erblühen - wobei: Farne blühen nie. Wenn doch mal einer blüht, ist es kein Farn, wie man zum Beispiel am farnblättrigen Lerchensporn ein paar Schritte weiter sehen kann, den fast jeder für einen Farn hält, aber ich schweife ab. Item…

Dieser Prachtsfarn liebt einen nicht zu trockenen, humosen Platz zwischen Gehölzen, wo sein früher Austrieb etwas vor Spätfrösten geschützt ist. Und den muss man gesehen haben. Wie sich die in Goldschuppenflitter gekleideten Wedel entrollen, strukturgewaltig sich erheben aus schnödem Waldboden… aber ich schweife schon ieder ab. Geniessen Sie einfach den Anblick und ignorieren Sie diesen Text.

Pflanze des Monats

Kleiner Krokus (Crocus chrysanthus)

Der Rasen hat es unter alten Bäumen nicht einfach. Er wirkt schütter, leidet im Sommer unter Trockenheit und will einfach nicht üppig grün werden. Die einen ringen die Hände und beklagen gramgebeugt das harte Gärtnerschicksal, die andern schwelgen in Zwiebelpflanzenkatalogen und lassen an diesem idealen Platz Krokusse (Kroki? Kroken?) verwildern. Am besten klappt dies mit Wildarten wie dem Elfenkrokus, dem Frühlingskrokus oder – wie hier – dem Kleinen Krokus.

Vor etwa 30 Jahren wurden in unserer Allee die Sorten «Advance», «Cream Beauty», «Yellow Queen», «Saturnus» und «Snow Bunting»  gepflanzt. Nicht alle sind mehr vorhanden, dafür aber Tausende verschiedener Sämlinge in teils abenteuerlichen, aber immer zarten Farbkombinationen. Jede einzelne Blüte ist ganz besonders schön!

Die Pflege besteht aus einer leichten, rasch wirkenden Düngung kurz nach der Blüte. Den Rasen darf man erst mähen, wenn im Frühling die Krokusblätter welken, was erklärt, warum es hier im April ziemlich wild aussieht. Und die Krokusflächen sollte man der empfindlichen Knospen wegen schon vor dem Austrieb nicht mehr betreten. Aus diesem Grund haben wir eine Absperrung montiert – und nicht, um die wilden Krokushorden am Ausbruch zu hindern.

Pflanze des Monats

Götterbaum (Ailanthus altissima)

Allein schon der Name Götterbaum tönt nach Verheissung. Seine imposante Erscheinung und die auffallende Blüte waren neben seiner Robustheit der Grund, dass dieser Baum in vielen Städten gepflanzt wurde. Da er sehr schnell wächst, wurde er auch zur Holzgewinnung angepflanzt. Eigentlich ein perfekter Baum, könnte man meinen.

Könnte man… aber inzwischen weiss man es besser. Der aus China stammende Götterbaum hat sich als invasive Art entpuppt. Nicht nur versamt er sich schlimmer als die Karnickel, sondern er bildet auch Wurzelausläufer, durch welche er rasch grosse Bestände bildet, andere Pflanzen verdrängt und kaum auszurotten ist. Die Bekämpfung ist teuer und aufwändig, und man sollte ihn nicht mehr pflanzen.

Wie viele andere schnellwachsende Pioniergehölze werden Götterbäume meistens nicht älter als etwa hundert Jahre, doch es gibt einige deutlich ältere Exemplare. Im lesenswerten Buch «Die Baumriesen der Schweiz» steht, unser Baum sei 1840 gepflanzt worden. Damit wäre er jetzt über hundertsiebzig Jahre alt und damit einer der ältesten Götterbäume Europas. Da er sich hier nicht ausbreiten kann, erfreut er uns hoffentlich noch lange durch seine majestätische Erscheinung.

Pflanze des Monats

Storchschnabel (Geranium 'Tiny Monster')

Der Sortenname «Winziges Monster» sagt es schon: Dieser Storchschnabel ist keine Mimose (das wäre ein grober botanischer Lapsus), sondern ungemein zäh und durchsetzungsstark. Vor Jahren stand er hier in einem normalen Beet mit gutem Boden und gesitteten Nachbarn, die er rücksichtslos überrollte. Aus einem kleinen Pflänzchen wurde innert zweier Jahre eine marodierende, quadratmetergrosse Blütenpracht.

Aufgrund dieser Rüpelhaftigkeit wurde er zu seinesgleichen verbannt - raumgreifenden Pflanzen, zwischen denen normale Beetstauden keine Chance hätten. Mit etwas Starthilfe überlebt er sogar an trockenen, sonnigen Plätzen unter Bäumen und muss sich dort mit anderen Wucherern wie Seifenkraut und Zypressen-Wolfsmilch arrangieren.

'Tiny Monster' ist eine Kreuzung aus dem robusten heimischen Blutroten Storchschnabel, dem er sehr ähnelt, und einer kaukasischen Art, von der er den ausufernden Wuchs geerbt hat. Seine dunkelrosa Blüten erscheinen oft bis in den Dezember hinein. Und sie ähneln unseren Fingern: Mit zunehmender Kälte werden sie leicht bläulich.

Pflanze des Monats

Chinesische Kräuselmyrte (Lagerstroemia indica)

Der berühmte Botaniker Linné dachte beim Benennen dieser hübschen Pflanze an seinen Freund Lagerström, der ihm als Direktor der Schwedischen Ostindiengesellschaft viele unbekannte Gewächse aus Asien mitgebracht hatte. Das hat ihr den Namen Lagerstroemia eingebrockt. Auch die deutsche Bezeichnung Kräuselmyrte ist ein Graus, dabei würde so vieles besser zu ihr passen: Frohlunder, Wonnenblume oder Nachbars Sehnsucht.

Rosa Blüten an üppigen Rispen öffnen sich im Spätsommer. Man muss sie aus der Nähe betrachten, um ihre filigrane Schönheit zu würdigen. Wem sie zu pink sind, freut sich auf die rot oder orange leuchtende Herbstfärbung. Das können andere Gehölze zwar auch, doch die glatte, braungraue Rinde der Kräuselmyrte ist einzigartig. Im Herbst schält sie sich ab, darunter kommt eine neue, rosagraue Schicht zum Vorschein.

Vom Namen mal abgesehen gibt es mehrere Gründe, dass die Kräuselmyrte leider nur selten verwendet wird: Sie ist erstens weitgehend unbekannt, sie soll zweitens sauren Boden benötigen (was unsere Prachtexemplare nicht zu wissen scheinen) und sie gilt drittens als nicht winterhart. Doch im Weinbauklima mit viel Sommerhitze ist sie einen Versuch wert. Am besten pflanzt man ein grösseres Exemplar im Frühling an einen vollsonnigen Standort und schützt es in den ersten Wintern mit Tannenreisig. Vielleicht wird Basel dereinst als Kräuselmyrtenstadt am Rheinknie in die Geschichtsbücher eingehen…?

P.s. Aufgrund von Kälte und Dunkelheit hält die Pflanze des Monats Dezember neu bis Ende Januar

 

Pflanze des Monats

Japan-Aster (Aster ageratoides 'Ezo Murasaki')

Die späten Blüten dieser hübschen Aster sind relativ frostresistent und erscheinen bis in den Spätherbst. Sie wechseln von hellem zu dunklem Purpurblau. In Japan heisst dieser traditionell verwendete Farbton Edo Murasaki (Tokyo-Purpur). Wahrscheinlich bezieht sich der Name dieser Aster auf diese Farbe und wäre somit falsch geschrieben. Zur allgemeinen Verwirrung trägt eine ähnliche Pflanze bei, eine Schönaster (Kalimeris) 'Edo Murasaki'. Sie blüht in derselben Farbe, aber schon im Frühsommer.

Leider ist 'Ezo Murasaki' noch selten zu bekommen. Sie ist sehr gesund und durchsetzungsfähig. Mit ihren Ausläufern neigt sie zum Wuchern, ist aber längst nicht so raumgreifend wie die be-rüchtigte Sorte 'Asran'. Unter lockeren Gehölzen, im Halbschatten oder auch an etwas trocke-neren Stellen im Garten lässt sie sich gut verwenden. Durch die späte Blüte ist sie wertvoll für Bienen, Schwebfliegen und andere Insekten. Auch in der Vase macht sie eine gute Figur - ein richtiger Tausendsassa!

'Ezo Murasaki' wird von fast allen geliebt, aber nicht von unseren Herbst-Schneeglöckchen. Denn diese zeigen sich hier oft schon Ende Oktober und gehen unter der Asternblütenfülle fast verloren.

Pflanze des Monats

Japan-Begonie (Begonia grandis 'Alba')

In Ostasiens schattigen Wäldern ist diese Begonie zuhause. Dort wächst sie an feuchten Hängen und in Schluchten, sogar an Strassenböschungen kommt sie zurecht. Unter einer Laubdecke ist sie hier gut winterhart, Dennoch: Jeden Frühling wartet man auf den Austrieb, der aber erst kommt, nachdem die Pflanze ("Jetzt ist sie endgültig hinüber, ganz sicher!") für tot erklärt wurde. Das kann durchaus erst Anfang Juni sein.

Aber dann: Allein das asymmetrische Laub! Im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne zeigen die rot geaderten Blätter ihre ganze Schönheit und sind ein dankbares Fotomotiv. Im August erscheinen dann die interessant geformten Blüten mit ihren allerliebsten gelben Bommeln und viel zu vielen Adjektiven.

Sogar der herbstliche Zerfall ist sehenswert. Durch die gelbe Laubfärbung treten die roten Blattadern und Stängel besser hervor. Beim genauen Hinsehen entdeckt man in den Blattachseln kleine Knöllchen. Diese sterben nicht wie die übrigen oberirdischen Pflanzenteile nach dem ersten Frost ab. Im Frühling entstehen aus ihnen neue Begonien - aber erst, nachdem man die Hoffnung aufgegeben hat.

 

Pflanze des Monats

Dorniger Nachtschatten (Solanum pyracanthos)

Dieser aparte Strauch ist einer der Unfreundlichsten. Er ist giftig, doch damit nicht genug: Sein botanischer Name bedeutet feuerdorniger Nachtschatten, man nennt ihn aber auch Teufelsdorn oder Stachelschweintomate. Die flammend orangen Stacheln (nein, keine Dornen - trotz des Namens) sitzen auf und unter den graugrünen Blättern, am Kelch und auch sonst fast überall. Sie sind sehr attraktiv, solange man sie nicht berühren muss.

Da seine Heimat in den westlichen Inseln des indischen Ozeans liegt, ist der dornige Nachtschatten bei uns nicht winterhart und trotz seiner martialischen Erscheinung ein eher zimperliches Gewächs. Frost verträgt er gar nicht, hätte gern viel Wasser und - bitteschön - auch eine gute Portion Dünger. Er benötigt ein sonnig warmes Plätzchen im Sommer und ein helles, frostfreies Winterquartier, sonst wird das nix.

Und das ist gut so, in wärmeren Gefilden zeigt er nämlich sein wahres Gesicht. Er wird zwei Meter hoch und noch breiter. Und er produziert Tausende von übel bestachelten Keimlingen, welche in kurzer Zeit ganze Gärten übernehmen und auch mit viel Geduld, Ausdauer und blutenden Fingern kaum zu entfernen sind.

Pflanze des Monats

Moorabbiss (Succisella inflexa)

Der südosteuropäische Cousin der Skabiosen heisst Moorabbiss. In der Natur kommt er in Gräben, Mooren und Feuchtwiesen vor, bewährt sich aber auch im Garten an nicht allzu trockenen Stellen. Durch seinen Ausbreitungsdrang kann er kleinere Stauden überrollen, lässt sich aber gut unter Kontrolle halten. Er behauptet sich auch in schlechtem Boden und hat sich hier als vollkommen schneckenresistent erwiesen.

Nicht sehr auffällig, aber von überraschender Schönheit sind die Blüten: Weisse oder hellblaue Köpfe schweben auf filigranen Stängeln. Dazwischen schweben begeisterte Schwebfliegen, Bienen und Hummeln, die hinwiederum uns begeistern. Die Blütezeit dauert von Juli bis in den Herbst, und für die Vase ist er auch geeignet. Warum dieser Tausendsassa so selten gepflanzt wird, ist ein Rätsel.

Vielleicht liegt es ja am eigenartigen Namen. Trotz der vielen Doppelbuchstaben hat es aber damit seine Richtigkeit. Im nassen Boden faulen die Rhizome manchmal von unten her ab und sehen dann wie abgebissen aus.

Pflanze des Monats

Kletterrose 'Albéric Barbier' (Rosa 'Albéric Barbier')

Anfangs des letzten Jahrhunderts wurden die begehrten Kletterrosen der französischen Züchterfamilie Barbier bis nach Amerika verschickt. Neuartige Kreuzungen zwischen ostasiatischen Wildrosen und Teehybriden vereinten das schöne Laub, den starken Wuchs und die Gesundheit der einen mit den grossen, farbigen Blüten der anderen. Das Ergebnis waren robuste, stark-wüchsige und ausserordentlich schöne Kletterrosen. Die Gärtnerei war bis zum ersten Weltkrieg sehr erfolgreich, doch während der folgenden Wirren wurden Rosen eher unwichtig, und die Firma versank im Weltgeschehen.

Eine der ersten (und besten) dieser damals neuen Sorten ist 'Albéric Barbier', die im Jahr 1900 in den Handel kam. Die Hauptblüte ist Anfang Juni, gefolgt von einigen Blütenschüben während des Sommers. Ihre Triebe sind fast stachellos, was bei ihrem kräftigen Wuchs ein Segen ist: Sie kann bis zu sieben Meter hoch klettern, wenn man sie lässt. Mit dem Zwerg Alberich (bekannt aus Nibelungensage und dem Münster-Tatort) hat sie gar nichts zu tun - Albéric Barbier war der Vater des Firmengründers.

Obwohl sie recht krankheitsresistent und auch sonst ziemlich robust ist, ist sie nicht überall winterhart. In den kalten Januarnächten 2012 ist unsere Pflanze komplett zurückgefroren. Erst im Laufe des darauffolgenden Sommers zeigten sich zaghafte Triebe, und jetzt ist sie schöner denn je. Das ist nicht schlecht für eine alte Dame, die das gesamte 20. Jahrhundert erlebt hat.

 

Pflanze des Monats

Krainer Tollkraut (Scopolia carniorica)

Aus Südosteuropas Wäldern stammt dieses hübsche Gewächs. Schon im April überrascht es mit seinen bräunlichen Glöckchen, es gibt aber auch gelbliche Formen. Ende Mai, wenn andere Stauden noch mit dem Austrieb beschäftigt sind, zieht sich das Tollkraut schon wieder zurück und welkt. Deshalb kombiniert man es am besten mit spät austreibenden Pflanzen, welche im Sommer die kahlen Stellen kaschieren.

Benannt wurde Scopolia nach Giovanni Antonio Scopoli, einem österreichischen Arzt und Naturforscher des 18. Jahrhunderts. Sein Leben lang begeisterte er sich für die Natur, oft auf Kosten seiner beruflichen Tätigkeiten als Werkarzt und Professor. Vorgesetzte und Kollegen beschwerten sich an höchster Stelle darüber, dass "sich Scopoli acht, vierzehn Tage, auch drei Wochen von hier entfernt, um der botanic zu obliegen und der insecten zu colligiren". (Dieser Genitiv… hach!)

Das Tollkraut ist sehr giftig, vergleichbar mit Stechapfel und Tollkirsche. Die Wirkung umfasst Pupillenerweiterung, Gesichtsrötung, Mundtrockenheit, Erbrechen, Krämpfe und bisweilen Tod durch Atemlähmung. Trotzdem fand es früher als Betäubungsmittel und in Hexensalben Verwendung. Ein tolles Kraut, fürwahr!

 

Pflanze des Monats

Rundblättriger Rhododendron (Rhododendron orbiculare)

 Der rundblättrige Rhododendron ist einer der schönsten: Seine glatten Blätter und der runde Wuchs sind das ganze Jahr über attraktiv. Im Frühling bilden seine glockigen Blüten das knallrosa Tüpfelchen auf dem i, später entfaltet der frische Laubaustrieb seinen besonderen Reiz.

Seine Heimat liegt in den Bergen von Szetschuan. In 2000 bis 4000 Metern Höhe kommt er vor, an felsigen Hängen und in Nadelholzwäldern. Er liebt kühle Sommer und milde Winter, was unserem alten, über fünfzigjährigen Strauch leider zum Verhängnis wurde: Durch Pilzbefall geschwächt, erfror er im kalten Winter 2012. Da dies schon länger absehbar war, haben wir diese Pflanze schon vor zwölf Jahren ausgesät.

Die etwa tausend Rhododendronarten, deren Unterschiede oft nur aus winzigen Härchen, Schuppen oder Drüsen an den Blütenorganen bestehen, sind oft schwierig zu bestimmen; man benötigt dazu Lupen, Bestimmungsbücher und viel Geduld. Die unübersehbare Zahl von Hybriden macht dies nicht einfacher. Doch der rundblättrige Rhododendron sticht mit seiner unverwechselbaren Erscheinung wohltuend aus diesem Durcheinander heraus und sorgt für gute Laune bei angehenden Botanikern.

Pflanze des Monats

Bärlauch (Allium ursinum)

Komm, lieber März, und mache die Wälder wihieder grün!
Sehr frei nach Overbeck/Mozart

An schattigen, eher feuchten Waldhängen spriesst er jetzt wieder, der lang ersehnte Bärlauch. Innerhalb einiger Tage bedeckt er grosse Flächen, auch an schattigen Stellen im Garten. Wo er sich wohlfühlt, vermehrt er sich heftig, wenn man ihn versamen lässt. Seine weissen Blütensterne sind essbar und eignen sich gut als würzige Dekoration. Ende Mai ist die ganze Pracht schon wieder verschwunden.

Grün ist die Hoffnung. Zum Beispiel auf Bärlauchpesto, Bärlauchpasta, Bärlauchsalat… Am besten schmecken die Blätter kleingeschnitten und frisch. Dieses Wildgemüse erfreut Herz, Geschmacksknospen und diverse innere Organe. Seine Heilwirkungen sollen vielfältig und segensreich sein, seine Ähnlichkeit zu giftigen Pflanzen ist es leider auch.

Nach dem Genuss verleiht uns Bärlauch einen gewissen Frühlingshauch, welcher zu Platz im Gedränge verhilft. Ob er dadurch vor grippalen Infekten schützt, ist nicht erwiesen.

 

Pflanze des Monats

Japanische Nusseibe, Stinkeibe (Torreya nucifera)

In ihrer japanischen Heimat sind die Nusseiben stolze Bäume und werden über zwanzig Meter hoch, doch in Europa sehen sie leider oft so aus wie unser Exemplar: Strauchig, stammlos, strubbelig. Das liegt an der Vermehrungsart. Nimmt man Stecklinge von den wenigen aufrecht wachsenden Gipfeltrieben, wird daraus ein richtiger Baum. Stecklinge aus den viel häufigeren und leicht erreichbaren Seitentrieben hingegen ergeben Pflanzen, die nicht mehr aufrecht wachsen und keinen Stamm bilden.

Das Holz der Nusseibe ist dank des langsamen Wachstums extrem hart und gleichmässig. In Japan heisst es Kaya, ist sehr teuer und wird für die kostbarsten Go-Spielbretter verwendet. Aufgrund früheren Raubbaus stehen alte Nusseiben unter Schutz und dürfen nur noch gefällt werden, wenn sie abgestorben sind.

Hätten sie diese Nusseibe für eine Eibe gehalten? Wir auch! Jahrzehntelang hat sie niemand beachtet, bis uns vor einigen Jahren ein Baumspezialist auf diese Besonderheit aufmerksam machte. Im Gegensatz zu Eiben produziert sie Nüsse, ihre stechenden Nadeln duften würzig. Der andere Name dieses Baums, Stinkeibe, ist eine üble Verleumdung!

Pflanze des Monats

Schwarzer Schlangenbart (Ophiopogon planiscapus 'Nigrescens')

Schwärzer geht's nicht! Der schwarze Schlangenbart ist die dunkelste Pflanze in den Merian Gärten. Ursprünglich stammt er aus südjapanischen Wäldern und hat unauffällig grünes Laub. Die schwarze Form tauchte erst Ende der Fünfzigerjahre in England auf.

 Der schwarze Schlangenbart mag Sommerwärme, Halbschatten, leicht sauren Boden und einen geschützten Standort. Er ist pflegeleicht und wird über die Jahrzehnte immer schöner. Man kann ihn mit gelben, roten oder graublauen Pflanzen kombinieren, mit weissem Kies oder hellen Felsen, als Schachbrett mit Trittplatten oder als düstere Beeteinfassung. Das Laub fühlt sich wie Leder an. Im Schnee wirkt er wie schwarze Spinnen und begeistert sogar Menschen, denen Pflanzen zu grün, zu blättrig, zu weich und überhaupt zu pflanzlich sind.

Der Name Schlangenbart stellt ein grosses Rätsel dar. Es mag ja sein, dass einzelne Schlangen einen leichten Flaum am Kopf haben, ein Goatie oder ein Menjou-Bärtchen, doch niemals einen solch üppigen Bewuchs wie diese tolle Pflanze. Sind japanische Schlangen womöglich stärker behaart?

Pflanze des Monats

Taschentuchbaum (Davidia involucrata)

Im Mai ist dieser Baum mit seinen weissen Blüten, die wie Taschentücher aussehen, leicht zu erkennen. Er bildet eine gleichmässige Krone und ist einfach schön, nicht zu gross und deshalb ideal für den Hausgarten, wenn er in gutem Boden mit genügend Feuchtigkeit steht.

Seine Entdeckung und Einführung in Europa bietet Stoff für einen Roman: Unabhängig voneinander entdecken ein Franzose und ein Brite diesen Baum an verschiedenen Orten. Beide senden getrocknete Pflanzenteile nach Europa, die dort für Furore sorgen. Um Samen des legendären Baums zu ernten, wird E.H. Wilson, ein junger Gärtner ohne Reiseerfahrung, von England über den Atlantik, mit dem Zug quer durch Amerika, über den Pazifik und auf dem Landweg nach China geschickt. Dort lebt ein englischer Botaniker, der weiss, wo ein Taschentuchbaum wächst. Die Pest wütet in Hongkong, kein Dolmetscher ist zu haben. Trotzdem findet der 23-jährige den Botaniker, von dem er eine ungenaue Skizze bekommt. Diese führt ihn schliesslich nach einer weiteren Reise zum frisch gefällten Baum - nach 21000 vergeblichen Kilometern. Frustriert entdeckt er stattdessen die Kiwipflanze. Taschentuchbäume findet er aber später doch noch und schickt davon viele Früchte nach Europa.

Und überhaupt, diese Früchte! Ihre Schönheit nimmt man viel zu selten wahr. Ihre Form erinnert ein wenig an Walnüsse, doch essen kann man sie nicht. An unserem Baum geschah übrigens vor Jahren ein Mysterium: Während einiger Wochen schimmerten seine Früchte golden und silbern. Ob es ein wundersamer Pilzbefall war, ein botanischer Vandale oder ein kunstsinniges Eichhörnchen… wer weiss?

Pflanze des Monats


Topinambur (Helianthus tuberosus)

Kochen, backen, frittieren – alles ist möglich bei der Topinambur. Auch im Anbau ist sie unkompliziert. Einmal eingewachsen, ist sie kaum noch zu entfernen. Wer glaubt, alle Knollen geerntet zu haben, wundert sich im Frühling über ein volles Beet.

Topinambur stammt aus Nord- und Mittelamerika, wo er von vielen Indianerstämmen verwendet und auch gehandelt wurde. Er ist eine der missbenanntesten Pflanzen überhaupt. Nicht mal das Geschlecht ist klar. Es gibt den und die Topinambur. Beides ist korrekt, hat aber mit den zwittrigen Blüten nichts zu tun. Je nach Gegend heisst sie Erdbirne, Erdapfel, Ewigkeitskartoffel oder Jerusalem-Artischocke. Mit Äpfeln, Birnen und Kartoffeln hat er gar nichts, mit Artischocken immerhin die Familie gemeinsam und vielleicht den Geschmack, was aber Ansichtssache ist. Das "Jerusalem" im Namen kommt von seinem italienischen Namen "girasole articiocco", Artischocken-Sonnenblume. Girasole tönt im englischen Sprachraum wie Jerusalem, da kann so etwas leicht passieren. Aber immerhin sind wir auf der richtigen Spur: Es ist eine Sonnenblume!

Und das seltsame Wort Topinambur? Ein paar Knollen wurden von französischen Auswanderern in Kanada, welche dank ihnen eine Hungersnot überlebt hatten, um 1612 nach Paris geschickt. Zufällig war etwa zur selben Zeit eine Delegation der mit Frankreich verbündeten Tupinambá aus Brasilien dort zu Besuch. "Brasil, Canada… tant pis, c'est tous l'Amérique!" dachte man und benannte das neue Gemüse kurzerhand nach diesem Volk, welches noch nie davon gehört hatte.

Pflanze des Monats


Afghanische Feige (Ficu Johannis SSP Afghanistica)

Die Berge Afghanistans sind nicht gerade für ihr mildes Klima bekannt. Trotzdem wächst dort die Afghanische Feige in Felsspalten, zwischen Steinen und an kargen Berghängen bis in die Höhe von 2200 Metern über dem Meer. Sie trotzt Wintertemperaturen unter -30 Grad und sommerlicher Trockenheit. Ihre Früchte sind nur kirschgross, sollen aber süss und köstlich schmecken, wenn es welche gibt…

 …denn ganz so einfach ist das nicht mit der Feigenbefruchtung. Details möchten wir ihnen ersparen. Wären Feigen auf Facebook, hiesse ihr Beziehungsstatus "It's complicated". Zwei Typen von Feigen sind involviert: Eine mit sowohl männlichen als auch sterilen weiblichen Blüten sowie eine mit nur fruchtbaren weiblichen Blüten. Erschwerend hinzu kommt eine Gallwespenart, welche die fast verschlossenen Feigenblüten bestäubt und darin stirbt. Aber es gibt auch selbstfruchtbare Feigensorten, welche auch hier, wo die Gallwespe nicht vorkommt, Früchte bilden. Diese sind gallwespenfrei und somit auch für Veganer geeignet.

Über die Afghanische Feige finden sich leider nur spärliche und widersprüchliche Informationen. Verkaufsbetriebe preisen die Selbstfruchtbarkeit und den üppigen Fruchtbehang, doch ihre Besitzer rätseln in Internetforen, ob und wann sie wohl Feigen ernten werden. Die Art ist oft unklar, da viele Pflanzen unter falschem Namen gehandelt werden. Dieses Exemplar hier soll schon gefruchtet haben, aber eben… genaueres weiss man nicht. Doch ganz abgesehen von kulinarischen Beweggründen ist diese Feigenart mit ihrem attraktiven Laub eine besondere Pflanze für karge, heisse und trockene Stellen.

Pflanze des Monats

Giftbeere (Nicandra physalodes)

Diese hübsche Pflanze hätte wirklich einen anderen Namen verdient! Blaues Feierabendglöckchen vielleicht, oder Sommersurprisli. Schwarzkelch wäre auch passend, doch der Name Giftbeere tut ihr Unrecht, da die vielbeschworene Giftwirkung nur schwach vorhanden ist. Sie wird ziemlich marktschreierisch als Weisse-Fliege-Ade-Pflanze gehandelt und soll diesen Schädling je nach Anpreisung töten, vertreiben oder von anderen Pflanzen weglocken. Erfahrungen bestätigen nur, dass man nichts auf solche Werbeaussagen geben sollte.

Dabei gibt es viele Gründe, diese einjährige Schönheit in den Garten zu lassen. Allein die blauen Glöckchen! Vormittags sucht man diese leider vergebens. Wir wissen das seit etlichen vergeblichen Versuchen, sie zeitig zu fotografieren. Die sich nach unten neigenden Knospen entpuppten sich gegen Mittag als verwelkende Reste. Die neuen zeigen erst nach oben, senken sich nachmittags in die Waagerechte und blühen nur für einige Stunden. Doch die dunklen Kelche sind lange attraktiv und verleihen der Giftbeere das gewisse Etwas.

Giftbeeren tauchen manchmal als Überraschung in den Beeten auf. Die Samen überleben jahrelang im Boden und kommen oft mit Kompost oder Pflanzen in den Garten. Lässt man sie versamen, wird man sich noch Jahre später an blauen Feierabendglöckchen in den Beeten freuen.

Pflanze des Monats

Centifolia-Gallica-Rose (Rosa 'Robert Le Diable')

 Als Staudenliebhaber könnte man momentan still verzweifeln, gäbe es nicht Julihelden wie die Taglilien. Die Frühsommerblumen lehnen sich erschöpft zurück und kümmern sich nur noch um den Samenansatz, während Astern und andere Herbstblüher noch mit Wachsen beschäftigt sind. Taglilien jedoch raffen sich zu einem Sommerfeuerwerk in den Farben Rot, Gelb, Orange, Rosa, Melonig, Bräunlich oder sogar Grünlich auf. Die einzelnen Blüten werden nur einen Tag alt, aber da sich jeden Morgen Neue öffnen, kann die Blütezeit bis zu fünf Wochen dauern.

Der Name dieser hübschen Sorte mutet seltsam an. Siloam Springs ist ein amerikanisches Städtchen und war die Heimat der begnadeten, leider verstorbenen Taglilienzüchterin Pauline Henry. Sie hat sich dort wahrscheinlich recht wohlgefühlt: 474 ihrer Züchtungen beginnen ihren Namen mit Siloam. Doodlebugs sind Asseln. Der Zusammenhang erschliesst sich nicht ganz, aber mit etwas sehr viel Fantasie erinnert die dunkle Blütenmitte an ein fröhliches Asseltreffen.

Taglilienblüten gelten als essbar, einige Sorten werden seit Jahrtausenden in Ostasien verwendet. Doch aufgepasst: Viele Taglilienarten sind leicht giftig, das gilt auch für die daraus gezüchteten Sorten. Sie können geradezu epischen Durchfall verursachen, wie wir aus eigener, leidvoller Erfahrung zu berichten wissen.

 

Pflanze des Monats

Centifolia-Gallica-Rose (Rosa 'Robert Le Diable')

Die Ursprünge dieser Rose liegen im Dunkeln. Sie stammt vermutlich aus Holland oder Belgien und gehört eigentlich zu den Zentifolien, aber auch ein bisschen zu den Gallica-Rosen. 1850 tauchte sie in einem Rosenkatalog auf, aber vielleicht auch schon 1837… Niemand weiss, wer sie gezüchtet hat, ob sie ein zufälliger Sämling war oder das Ergebnis jahrzehntelangen Bemühens um die beste Rosensorte.

Diese Rose wurde nach einer ganz grossen Oper benannt, welche 1831 in Paris uraufgeführt wurde: Robert le Diable. Darin geht es um teuflische Zeugung, Intrigen, Liebe, Ritterturniere und ein zombieartiges Friedhofsballett toter Nonnen, natürlich mit Happy End. Die Titelfigur basiert auf einem legendären normannischen Ritter, einem Fiesling sondergleichen. Den möchten Sie nicht näher kennenlernen. Wirklich nicht.

Als Rose dagegen ist ' Robert le Diable' bescheiden und sehr charmant. Die unbeschreibliche Blütenfarbe changiert irgendwo zwischen Purpur, Kirschrot, Grauviolett und bläulichem Scharlach, jede Blüte ist anders. Und der Duft! Sie ist eine der gesündesten Rosen und sehr robust. Seit Jahrzehnten gedeiht sie hier ohne Pflanzenschutz, eine Zeitlang wurde sie sogar regelmässig abgemäht. Eine himmlische Pflanze, könnte man meinen… Doch ihre Ausläufer und Stacheln zeigen, dass der Teufel dabei seine Hand im Spiel hatte.

Pflanze des Monats

Akelei (Aquilegia vulgaris)

Das alte Brüglinger Sprichwort "Eine Akelei im Garten ist besser als die Geranie auf dem Balkon" bewahrheitet sich jeden Mai von neuem. Wo noch vor kurzem kaum etwas zu sehen war, entfalten jetzt die Akeleien ihr prächtiges Laub und verdecken damit die welkenden Reste der frühen Zwiebelpflanzen. Und erst die Blüten! Wie fünf Vögel, welche die Köpfe zusammenstecken, sehen sie aus. In manchen Gegenden heisst die Akelei deshalb Tauberl oder Fünf Vögerl zsamm. In St. Gallen nennt man sie auch Schlotterhose, was entweder auf seltsame Beinkleider oder rege Phantasie der dortigen Bevölkerung schliessen lässt.

Die Akelei war im Mittelalter eine beliebte Gartenpflanze und wurde auch in der Symbolik verwendet. Sie steht einerseits für die Dreifaltigkeit, den heiligen Geist, Maria, Bescheidenheit und Demut, andererseits für Liebeskraft, Unbeständigkeit und verlassene Liebhaber. Sie war Bestandteil von Liebestränken und wird so manche Romanze im Keim erstickt haben, da sie giftig ist und Erbrechen, Durchfall, Herzbeschwerden und Benommenheit verursacht.

Akeleien werden nur wenige Jahre alt, versamen sich aber zuverlässig. Im Handel gibt es gefüllte, einfache, kurz- oder langspornige Sorten in vielen Farben. Sie wachsen problemlos in Sonne und im Halbschatten und wirken am schönsten, wenn man sie nach der Blüte bis zum Boden zurückschneidet. Das Laub treibt danach schnell wieder aus. Nur die besten Pflanzen lässt man versamen. Man kann sie nach Höhe, Farbe oder Blütenform selektieren und sich so mit den Jahren eine Auswahl nach eigenen Vorlieben züchten

Pflanze des Monats

Fingerblättrige Akebie (Akebia quinata)

Mit ihren filigranen Trieben ist die Akebie eine der schönsten Kletterpflanzen, robust und ungestüm. Forsch überwuchert sie Rankgerüste, Zäune und auch mal eine Nachbarpflanze, lässt sich aber durch Schnittmassnahmen gut bändigen. Sie ist winterhart und wächst in jedem nicht zu trockenen Gartenboden.

Wie gezeichnet wirken die Ranken mit den fünfteiligen Blättern, doch das Überraschende sind die seltsamen Blüten, die schon im April erscheinen. Die weiblichen sind gross und braunviolett, die männlichen kleiner und blasser. Vor allem nachts duften sie herrlich nach Vanille. Die essbaren Früchte schmecken süss, aber etwas langweilig. Die Pflanzen werden oft als Kletterobst angepriesen und heissen dann Schokoladenwein oder Klettergurke. Leider werden Früchte nur in warmen Sommern gebildet.

Die Pflanze gehört zur Familie der Fingerfruchtgewächse Das lässt sich kaum nachvollziehen, denn die Früchte sind blauviolett, weich und geschwollen. Die meisten Finger sehen ganz anders aus. Aber nur, bis man mal die Hände in einen Bienenstock gesteckt hat.

 

Pflanze des Monats

Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida)

 "Sie haben es gut, dürfen mit der Natur arbeiten…" Nun ja. Mutter Natur arbeitet zwar effizient und gründlich, ist aber eigensinnig und durchtrieben. Zudem hat sie bisweilen ganz eigene Ansichten über Gartengestaltung. Am liebsten mag sie Unkraut, Gestrüpp und schwielige Gärtnerhände; Farbkonzepte sind ihr ein Gräuel. Seit Jahren hintertreibt sie zum Beispiel erfolgreich das gelb-orange Frühlingsbild des Farbhügels. Im März, wenn die ersten Narzissen blühen, sind sie plötzlich da: trübrosa Farbkleckse, völlig unpassend und unausrottbar: Der gefingerte Lerchensporn.

Eigentlich ist er ja ein zartes Gewächs mit filigranem Laub. Er treibt aus gelblichen Knollen aus, die gut ins Farbschema passen würden, sich aber leider tief im Boden verbergen. Hummeln lieben seine frühe Blüte. Sind ihre Rüssel für die langen Blütenröhren zu kurz, beissen sie diese einfach von hinten auf und gelangen so zum Nektar.

In der Natur kommt der gefingerte Lerchensporn an Waldrändern und Krautsäumen vor. In der Schweiz ist er eher selten und aus einigen Gegenden verschwunden. Doch im Garten wächst er gut und breitet sich mit den Jahren aus, wenn man nicht hackt. Am schönsten wächst er zwischen spät austreibenden Stauden. Er füllt die Lücken und ist im Mai schon wieder verschwunden. Wenn man frische Samen ausstreut und drei Jahre wartet, kann man sich an den ersten Blüten freuen. Oder auch nicht, wenn sie zwischen goldgelben Krokussen auftauchen.

 

Pflanze des Monats

Bündner Oberländer Schaf (Ovis orientalis Aries 'Bündner Oberländer')

Sowohl im Gebirge wie auch im Flachland kommt das Bündner Oberländer Schaf vor. Seine Wurzeln reichen tief in graue Vorzeit, bis hinunter zum Torfschaf. Daher zählt man es zu den Tiefwurzlern. Es gedeiht aber nicht nur auf Torf, sondern auf fast allen Böden, auch an kargen Orten.

Das Bündner Oberländer Schaf ist zweihäusig. Weibliche Exemplare enthalten zeitweise ungiftigen Milchsaft. Es werden meist nur zwei, dafür aber erstaunlich grosse Sämlinge gebildet. Jungpflanzen sind nahrhaft und wohlschmeckend, ältere Exemplare können zäh sein. Vor dem Verzehr sollte man sie schälen und erhitzen. Die wolligen Auswüchse der Pflanze werden zu Textilien verarbeitet. Breitbuschiger Wuchs, dichtwollige Oberfläche und hohe Farbvariabilität machen es zu einer Zierde in jedem Garten, wo sich die Kombination leider oftmals als schwierig erweist: Als Vollparasit ernährt sich dieses Gewächs von verschiedenen Wirtspflanzen. Deshalb bildet es kein eigenes Blattgrün, was zu der für Pflanzen eher untypischen Färbung führt.

Neueste Forschungsergebnisse auf molekularer Ebene lassen vermuten, dass die Gattung Ovis irrtümlicherweise zu den Pflanzen gestellt wurde. Eine Zugehörigkeit zu den Pilzen wird diskutiert, doch die eher pilzuntypischen Geräusche dieses Schafs sprechen dagegen.

 

Pflanze des Monats


Henne mit Küken (Tolmiea menziesii)

Tiere, die ihre Jungen mit sich herumtragen, kennen wir viele. Da fallen uns vielleicht Kängurus, Skorpione, Affen, Asseln, Kugelfische, Faultiere und – zumindest zeitweise - Hühner ein. Huckepackpflanzen sind seltener, aber auch das gibt es. Eine der bekanntesten ist die “Henne mit Küken“. Ihre Kindel (die heissen wirklich so) wachsen im Herbst auf dem Blatt, drücken dieses zu Boden, schlagen Wurzeln und - zack! - haben wir eine neue Henne.

Die Rede ist von einer etwas altmodischen, aber noch immer beliebten Zimmerpflanze, die sich an schattigen, geschützten Orten auch für den Garten eignet. Ihre ursprüngliche Heimat sind kühle Nadelwälder von Kalifornien bis Alaska. Die Blüten? Hübsch, aber winzig.

Die Henne mit Küken ist ein ideales Gewächs für Kinder, weil der Wechsel von der Henne (alte Pflanze) über das Küken (Kindel auf dem Blatt) zur neuen Henne nicht lange dauert, spannend ist und sich gut beobachten lässt. Zudem ist sie völlig vegan, frei von Hühnereiweiss und –augen.

 

Pflanze des Monats

Zerr-Eiche (Quercus cerris)

Für die meisten Gärten wird sie mit bis zu vierzig Metern zu gross, doch wenn ein schnellwachsender Hausbaum gesucht wird, ist die Zerr-Eiche gut geeignet. Sie ist sturmfest, unempfindlich, stadtklimaresistent, wurzelt tief und lässt sich problemlos unterpflanzen. Innerhalb einer Generation entwickelt sie sich zu einem malerischen Baum mit knorrigen Ästen und dicker Borke. Unser Exemplar ist über fünfzig Jahre alt. Die tief gelappten Blätter sind sehr variabel und bleiben lange am Baum. Eine Besonderheit ist der mit zottigen Schuppen bedeckte Eichelbecher.

Mit Gezerre hat die Zerr-Eiche nichts zu tun. In Südost-Europa und Kleinasien, wo sie beheimatet ist, heisst sie Qarr, Tser oder Cerro, auf lateinisch Cerrus. Ein kopierter Druckfehler aus einem Buch von Dodonaeus im 16. Jahrhundert führte zum heute gültigen Artnamen cerris.

Sind Ihnen im Sommer knorpelartige Gebilde unter unseren Stein-Eichen aufgefallen? Das sind keine Eier von Ausserirdischen, sondern sogenannte Knoppern. Verursacher ist die Eichenknoppern-Gallwespe. Ihre erste Generation wächst in der Zerr-Eiche. Im Mai schlüpft sie und legt ihre Eier an die Eichelbecher der hiesigen Stein-Eiche, wo sich bald die Knoppern bilden. Da die Gallwespe beide Eichenarten benötigt, findet man sie fast nur in der Nähe botanischer Gärten oder Parks.

 

Pflanze des Monats

Japanisches Blutgras (Imperata cylindrica 'Rubra')

Zum Spätsommer hin leuchtet das Blutgras in feurigem Rot. Schwachwüchsig ist es, bescheiden und nicht sehr winterhart; ein harmloses Pflänzchen, so scheint es. Man sieht es ihm nicht an, dass es zu den weltweit schädlichsten invasiven Arten gehört. Seine natürliche Verbreitung liegt in Ostafrika, Indien und Südostasien. In den USA wurde es früher als Viehfutter und zur Bodenstabilisierung angepflanzt. Doch mit der Futteridee ging es ziemlich schnell bachab: Der englische Name 'swordgrass' bezieht sich auf die harten Blattkanten, welche Rindermäuler verletzen können. Nur die frisch austreibenden Halme werden gefressen, haben aber nur wenig Nährstoffe.

Ein noch grösserer Reinfall war der Erosionsschutz. Dieser funktionierte dank der kräftigen Rhizome, welche ein dichtes Geflecht bilden, recht gut. Doch dadurch und durch seine allelopathische Wirkung (eine Art chemische Kriegsführung im Pflanzenreich) verdrängt das Blutgras andere Pflanzen. In den USA hat es inzwischen mehrere tausend Hektar überwuchert und verändert die Feuerökologie. In vielen Bundesstaaten ist es verboten und wird bekämpft. Auch auf anderen Kontinenten macht es Probleme: In Teilen Afrikas gilt es als das schlimmste Ackerunkraut, in Südostasien behindert es Wiederaufforstungsprojekte.

Doch unsere Winter sind kalt, die Sorte 'Rubra' blüht nicht. Deshalb erfreuen wir uns auch weiterhin an diesem flammenden Rot, welches zusammen mit Scheinhasel, Blumenhartriegel und Eisenhut den Herbst leuchten lässt. Und das Fehlen der silberfedrigen Blüten sollte niemand bedauern.

 

Pflanze des Monats

Japanische Berchemie, Rattanrebe

Mit der Rattanpalme, aus deren Trieben Rattan und Peddigrohr gewonnen werden, hat diese Pflanze nichts zu tun. Den irreführenden Name Rattanrebe trägt sie nur, weil einige andere Arten der Gattung zum Flechten verwendet werden. 

An einem Zaun oder Gitter kann sie bis zu vier Meter hoch klettern. Sie benötigt eher mildes Klima und einen nicht zu trockenen Platz. Ansonsten ist es eine recht anspruchslose Pflanze, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, bei genauer Betrachtung aber durchaus zu begeistern vermag. Ende Februar kann man die dünnen Triebe auf kurze Zapfen zurückschneiden, sollte aber diejenigen, die Beeren tragen, stehen lassen.

Die grünweissen Blüten erscheinen im Hochsommer. Sie verströmen duftende Wolken und werden trotz ihrer Winzigkeit von glücklichen Bienen umschwärmt. Erstaunlicherweise findet man zur gleichen Zeit reife Beeren. Diese brauchen ein Jahr, um auszureifen, dabei verfärben sie sich von rot zu schwarz. Sie scheinen auf keine grosse Begeisterung zu stossen: Sogar Gärtnereien, die am Verkauf interessiert sein sollten, bezeichnen sie als essbar, aber nicht empfehlenswert. Und die Verwendung der Blätter als Tee-Ersatz oder Gemüse reizt wohl nur die experimentierfreudigsten unter den Köchen.

 

Pflanze des Monats

Kirengeshoma palmata

Die Wachsglocke wächst in feuchten Gebirgswäldern. Sie existiert an nur acht Standorten in Japan, China und Korea und steht unter Naturschutz. Im Garten ist sie robust und sehr langlebig, wenn ihre Bedürfnisse - feuchter, humoser, nicht zu alkalischer Boden im Halbschatten - erfüllt werden.

Als eine der wenigen Waldpflanzen blüht sie erst im Spätsommer. Diese Kugelknospen! Die wachsartigen Blütenblätter! Die Samen-kapseln ähneln dreihornigen Teufelchen. Doch allein schon das ahornartige Laub wäre ein Grund, sie zu pflanzen.

Der Name Kirengeshoma tönt kompliziert. Das ist er auch. Ki heisst “gelb“, Renge heisst “Lotosblüte“. Shoma (eigentlich shouma) besagt in diesem Fall gar nichts, die Schriftzeichen stehen nur da, um die richtige Aussprache zu bezeichnen. Das kommt uns spanisch, bei japanischen Namen aber häufig vor. Im Detail bezeichnet Shou ein Mass von etwa 1,8 Liter, ma heisst “Hanf“. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild eines Hanfkorbs voll gelber Lotosblüten…

Die Realität aber ist, wie Realitäten das so an sich haben, viel prosaischer: Rengeshouma ist der japanische Name der Scheinanemone, einer Pflanze, die Sie im Rhododendrontal bewundern können. Ki-Rengeshoma bedeutet deshalb “gelbe scheinanemone“. Die beiden Pflanzen mögen recht verschieden sein, doch bei beiden schweben zarte Kugelknospen über dem Laub.

 

Pflanze des Monats

Cichorium intybus

Sind Sie Feierabendgärtner oder schlafen Sie gerne aus? Dann sollten Sie die Wegwarte nicht in Ihren Garten pflanzen. Denn ihre hinreissenden Blüten machen vormittags Schwebfliegen, Bienen und Gärtner glücklich. Nachmittags ist dann von der ganzen Herrlichkeit nicht mehr viel übrig, bei Spätaufstehern ist sie als reizloses Gestrüpp verrufen.

Dabei ist sie als Chicorée oder Radiccio gesund und schmackhaft - zum Beispiel als bunter Sommersalat mit Blüten und Minze oder, mit Speck umwickelt, geschmort oder einfach mit einem Dip aus Joghurt, Zitrone, Salz und Knoblauch. Aus den gerösteten Wurzeln stellt man noch heute einen Kaffeeersatz her.

Die blauen Blüten der Wegwarte sollen laut einer Sage die blauen Augen einer Hofdame sein, die vergeblich am Wege auf die Rückkehr ihres untreuen Kreuzritters wartete. Damit wäre der Name der Wegwarte erklärt: Er war weg, sie wartete. Und seit damals nennt man naive Menschen blauäugig.

 

Pflanze des Monats

Amorpha fruticosa

Auf die beliebte Fernwirkung muss man beim Bastardindigo verzichten, doch aus der Nähe betrachtet entfalten seine Blüten ihren ganz besonderen Reiz. Allein die Farbgebung! Orange Staubgefässe ragen aus violettschwarzbraunen Blüten, darunter zartes Fiederlaub. Das ganze wird umtost von glücklichen Bienen, denen es völlig egal ist, dass seine Blüten im Gegensatz zu anderen Schmetterlingsblütlern (dazu gehören zum Beispiel Wicken, Lupinen oder Glyzinien) weder Kiel noch Schiffchen, sondern nur eine winzige Fahne haben. Der Name Amorpha bezieht sich auf diese untypische Form und heisst soviel wie ungestaltet.

Der Bastardindigo stammt aus Nordamerika und wurde von den ersten Siedlern als Indigoersatz zum Färben genutzt. Er ist eine gute Bienenweide und eignet sich zur Befestigung von Böschungen. Er wird kaum über drei Meter hoch und verträgt auch mal einen radikalen Rückschnitt. Eine ideale Pflanze, könnte man meinen…

…wenn da nicht dieser gemeine Haken wäre: Der Bastardindigo hat sich in einigen Ländern Südosteuropas als invasiver Neophyt erwiesen, in der Schweiz breitet er sich bereits im Tessin aus. Er besiedelt Auenlandschaften und gestörte Standorte. Mit Hilfe von Knöllchenbakterien reichert er im Boden Stickstoff an und verändert so den natürlichen Nährstoffgehalt der Böden. Die Bekämpfung ist nicht einfach: Wird er abgesägt, schlägt er wieder aus, zudem ist er ein grosser Versamungsheld. Deshalb sollte man ihn nur dulden, wo er sich nicht verbreiten kann. Aber schön ist er doch!

 

Pflanze des Monats

Sambucus nigra 'Guincho Purple'

Es gibt Pflanzen, die man eigentlich gar nicht vorstellen muss. Der Holunder gehört dazu. Seit Urzeiten werden Blüten und Beeren zu Gelee, Konfitüre, Sirup, Tee, Sekt, Wein oder Likör verarbeitet. Auch wenn die rohen Beeren oft für spontane Entschlackung sorgen, tut das der Freude keinen Abbruch.

 Leider wirken Holunder im Garten oft etwas langweilig. Dabei gibt es diverse Sorten, bei denen es sich meistens um natürliche Variationen handelt, so auch ‘Guincho Purple‘. Seine rosa überhauchten Blüten und das dunkle Laub harmonieren farblich gut mit der historischen Scheune gegenüber. Er wurde vor über sechzig Jahren von Vera Mackie in Schottland gefunden und in ihren berühmten Garten in Nordirland, Guincho, gebracht. Seilwinde heisst das auf Portugiesisch, aber zurück zum Thema…

Dieser Prachtsholunder lässt sich wie die normale Art verwenden und ist wertvoll für Vögel und Bienen. Doch das Beste kommt zum Schluss: Bei alten, schwächelnden
Sträuchern schieben sich oft eigenartige Glibbergebilde aus der Rinde. Diese heissen wahlweise Wolken-, Wald- oder Judasohren und sind nichts anderes als die berühmten
Mu-Err-Pilze, die viele chinesische Gerichte verknorpeln, ohne dabei störenden Geschmack zu entfalten.

 

Pflanze des Monats

Clematis 'Blue Bird'

 'Blue Bird' ist eine Kreuzung zwischen der in Europa
vorkommenden Clematis alpina und ihrem nordasiatischen
Pendant C. macrophylla. Schon vor über fünfzig Jahren
ist diese Sorte in Kanada entstanden, doch ihren jugendlichen
Charme versprüht sie noch immer.

Diese Sorte gehört - wie die anderen aus der alpinen Verwandtschaft - zu den winterhärtesten Waldreben überhaupt. Sie ist robust, anspruchslos und pflegeleicht, ein leichter Rückschnitt nach der Blüte genügt. Schädlinge oder Krankheiten sind hier kein Problem. An feuchteren Stellen sollte man sie erhöht pflanzen, um Nässeschäden zu vermeiden.

Die wunderschönen Blüten erscheinen im zeitigen Frühling und oft - etwas schwächer - im Spätsommer. Auch die Samenstände sind attraktiv, ebenso das Laub. Sie umspielt Zäune, kriecht durch Sträucher, klettert mit etwas Hilfe an Regenrinnen empor und gedeiht sogar in grossen Gefässen. Sie ist die ideale Pflanze, wenn man im Garten eigentlich gar keinen Platz mehr hat.

 

Pflanze des Monats

Rhododendron dauricum

Auch dieses Jahr wieder hat an den Blühlympischen Spielen in Brüglingen die dahurische Azalee den Sieg in der Kategorie Rhododendron errungen. Da ihr natürliches Vorkommen u.a. in Sibirien liegt, ist sie Kälte und Schnee gewohnt und blüht schon im Spätwinter auf. Um diese Zeit freut man sich über jede Blüte, sogar über dieses Violett.

Wie alle Rhododendren benötigt die dahurische Azalee einen sauren Standort ohne Staunässe. An einem sonnigen, etwas geschützten Standort gedeiht sie am besten. Zusätzlich zu den wenigen dunklen Blättern, die den Winter über am Strauch bleiben, zeigt sie oft eine wunderschöne Herbstfärbung.

Doch jetzt möchte wohl niemand mehr von Herbst und Winter lesen. Egal, wieviel Schnee und Frost noch kommen mag – wenn der erste Rhododendron blüht, ist Frühling!

 

Pflanze des Monats

Viburnum tinus

"Immergrünes Laub? Dunkle Beeren? Aha, Lorbeer!" dachte man in der Antike, als man es mit der Pflanzensystematik noch nicht so genau nahm - denn dieser Strauch ist eigentlich ein Schneeball. Immerhin kommen beide in den mediterranen Hartlaub-Wäldern vor und haben sich mit ihren kleinen, ledrigen Blättern an die dortigen Bedingungen wie heisse Sommer und feuchte Winter angepasst. Dadurch ist der Lorbeer-Schneeball sehr gut für geschützte Plätze geeignet und somit die ideale Pflanze für Basler Innenhöfe.

Wenn er nicht zu trocken steht, ist der Lorbeer-Schneeball robust und pflegeleicht. Einzig Schneeballblattkäfer löchern ihm die Blätter, nehmen aber nur selten überhand. Schnittmassnahmen nach der Blüte werden recht gut vertragen, und sollte er nach starkem Frost zurückfrieren, treibt er in der Regel wieder aus der Basis aus. Unsere Exemplare waren im Winter 1986 bis auf den Boden abgestorben und haben sich, wie sie hier sehen, prächtig erholt. Im vorletzten Winter hat der exponierteste Strauch gelitten, blüht aber auch schon wieder.

Aber wie das so ist mit winterlichen Blüten: Man muss Glück haben, denn bei starkem Frost erfrieren die Knospen. Wenn es dann wärmer wird, blühen die Sträucher munter weiter - manchmal sogar von Juli bis Mai. Dafür nimmt man gelegentliche Erfrierungsdesaster gerne in Kauf. Falls Sie Pech haben sollten und hier nur bräunliche Unansehnlichkeiten vorfinden - kommen Sie einfach in ein paar Wochen wieder!

 

Pflanze des Monats

Brassica oleracea

Der Palmkohl ist eine sehr alte Kohlvarietät und wird vor allem in den Mittelmeerländern angebaut. Man erntet jeweils die unteren Blätter. Sie schmecken auch ohne Frost und werden gerne zum Einwickeln von Speisen genommen. Sie galten als gutes Viehfutter. Die Sorte 'Nero di Toscana' bleibt tendenziell eher niedriger und wird oft als Zierpflanze verwendet. Es gibt viele Rezepte zur Verwendung von Palmkohl, zwei davon finden Sie hier: 

Eine Zwiebel und zwei Knoblauchzehen würfeln und in Olivenöl andünsten. 500 g kleingeschnittene mehlige Kartoffeln und ein Lorbeerblatt dazugeben, mit zwei Liter Wasser auffüllen. Zugedeckt solange köcheln lassen, bis die Kartoffeln zerfallen, eventuell mit dem Mixer pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Palmkohlblätter in feine Streifen schneiden, beifügen und 15 Minuten köcheln lassen. Ein paar Löffel Olivenöl und eine Chouriço (portugiesische Wurst) in dünne Scheiben schneiden und dazugeben. Nochmal kurz aufkochen und servieren. Das Ergebnis heisst Caldo verde und ist eine portugiesische Spezialität.

Man nehme einen Palmkohlsetzling und binde ihn im Frühling an eine stabile Stütze. Man lasse ihn unter regelmässiger Zugabe von Wasser und Dünger bei niedriger Hitze langsam wachsen. Zwischendurch entferne man die unteren Blätter (Verwendung siehe oben) und allfällige Seitensprosse. Im Spätwinter hänge man den Stamm an einem luftigen, kühlen Ort auf und lasse ihn mindestens ein Jahr lang trocknen. Alsdann schneide man die Wurzeln sowie die weiche Spitze ab, schleife den Stock glatt und lackiere ihn nach Belieben. Durch Zugabe einer Stahlspitze und eines Knaufs erhält man einen leichten, stabilen und seit siebzig Jahren aus der Mode geratenen Spazierstock.

Auf der Insel Jersey, wo der Palmkohl bis zu drei Meter hoch werden kann, wurden solche Spazierstöcke früher in grossem Stil hergestellt und an Touristen verkauft.

Pflanze des Monats

Brassica oleracea

Haben Sie sich diesen Baumstamm schon einmal genau angesehen? Seine Rinde platzt stückweise ab und bildet dabei Falten, Ringe und andere Strukturen, die erst nach Jahrzehnten auftreten und den Träger mit den Jahren immer markanter machen - genau wie bei uns. Berg-Ahorne können etwa 500 Jahre alt werden und kommen vor allem in Berggebieten vor, wo sie bis zur Waldgrenze wachsen. Oft sind es mächtige Charakterbäume, knorrig, flechtenbehangen und zäh.

Das wertvolle Holz des Berg-Ahorns wird im Innenausbau sowie für Möbel, Drechslerarbeiten und Musikinstrumente verwendet. Er gilt als gute Bienenweide und wird von vielen Tieren bevölkert, unter anderem von Kreaturen wie Blausieb, Hörnchengallmilbe oder keulenfüssigem Scheckenbock.

Die Samen diverser Ahorne sind giftig. Seit kurzem vermutet man, dass sie die Ursache der atypischen Myopathie bei Pferden sind, einer oft tödlichen Muskelerkrankung. Die Krankheit tritt vor allem nach Kälteeinbrüchen und bei Futterknappheit auf und lässt sich durch zusätzliches Füttern im Herbst vermeiden. Doch da auch andere Faktoren beteiligt sein könnten, gilt für den Ahorn bis auf weiteres die Unschuldsvermutung.

 

Pflanze des Monats

Rosa multiflora

Etwa 250 Rosenarten gibt es, eine davon ist die ostasiatische Rispen-Rose. Ihre büscheligen Blütenstände stachen zwei Botanikern ins Auge, die sie – unabhängig voneinander – Rosa multiflora und Rosa polyantha nannten. Das eine ist lateinisch, das andere griechisch, aber beides heisst “viele Blüten“.  Sie wurde zur Züchtung der mehrblütigen Beetrosen verwendet, die grossblütig und farbenfroh, aber ohne den Charme und Charakter der Rispen-Rose sind.

Sie ist winterhart, robust und (fast zu) kräftig. Freiwachsend wird sie drei Meter hoch. Entert sie einen Baum, kann sie bis zu fünf Meter hoch klettern. Wenn ihre überhängenden Triebe den Boden berühren, schlagen sie Wurzeln. Sie produziert jedes Jahr viele tentakelartige Ranken, die wild in alle Richtungen hängen. Diese kann man im Zaum halten, indem man sie vor der Blüte so zurückschneidet, dass sie die Blütenknospen nicht verdecken. Wenn die Pflanzen später doch zu mächtig werden sollten, hilft ein radikaler Rückschnitt direkt nach der Blüte. Ansonsten benötigt sie kaum Pflege.

Jetzt, im Herbst, erscheinen hunderte kleiner Hagebutten. Sie werden gerne von den Vögeln gefressen, weshalb man die Rispen-Rose bisweilen auch in der freien Natur antreffen kann. Ihre weissen Blüten sind relativ klein, sehr hübsch und duften. Sie erscheinen in grosser Zahl und werden von Bienen und anderen Insekten besucht. Leider blühen Sie nur kurze Zeit. Kommen Sie deshalb Ende Mai hier vorbei!

Pflanze des Monats

Maclura pomifera

Der Osagedorn ist der am häufigsten angepflanzte Baum Amerikas und tief in der Geschichte verwurzelt. Die Farmer pflanzten ihn als Windschutz, um die Bodenerosion in den Great Plains aufzuhalten. Osagedornhecken waren der beste Schutz der Felder vor wandernden Viehherden, jedenfalls bis zur Erfindung des Stacheldrahtzauns. Auch für die dafür benötigten Pfähle war das harte und dauerhafte Holz des Osagedorns gut geeignet und wurde in grossem Stil angebaut. Ursprünglich wuchs er im Stammesgebiet der Osage-Indianer, die daraus ihre Bögen herstellten. Die Wurzelrinde diente zum Färben von Textilien. Die Früchte wirken auf einige Insekten abschreckend.

Und überhaupt, diese Früchte! Runzlige, marsmenschenhirnartige Klumpen, Bedrohung darunter parkender Autos (deshalb werden an Strassen und Plätzen vor allem nicht fruchtende männliche Exemplare gepflanzt) und Frustration eifriger Sammler! Sie sind ungiftig, zäh und sondern klebrigen Milchsaft ab. Der Geschmack sei chemikalienartig, heisst es, niemand würde so etwas essen wollen, alles Ketchup und Tabasco der Welt könne daran nichts ändern.

Noch nicht mal die Tiere in seiner Heimat fressen das seltsame Obst. Das ist erstaunlich, denn seine Produktion kostet den Baum viel Kraft. Es dient der Samenverbreitung über weite Strecken durch Tiere. Aber durch welche? Man nimmt an, dass es die grossen Säugetiere des Pleistozäns waren: Riesenfaultier, Mastodon und andere, die nach der letzten Eiszeit verschwanden, zeitgleich mit dem Auftauchen der ersten Menschen in Amerika. Aufgrund von Knochenfunden weiss man, dass diese Tiere bejagt wurden, was wahrscheinlich zum Aussterben geführt hat. Das hat etwas Tragisches – als ob die Pflanze seit Jahrtausenden verwitwet ist. Dieses Schicksal teilt sie mit der Avocado, doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte…

Pflanze des Monats

Colocasia Esculenta 'Black Magic'

Ursprünglich aus Südostasien stammend, dient die Taropflanze schon seit mindestens 7000 Jahren als wichtige Nahrungsquelle. Sie wurde bald nach Polynesien, Afrika und später Amerika verbreitet. Durch die lange Kultivierung haben sich viele Varianten herausgebildet.
Taropflanzen sind spektakuläre Zierpflanzen, wenn man ihre Bedürfnisse berücksichtigt: Temperaturen über 20°, einen feuchten bis nassen Standort, humosen Boden und genügend Nährstoffe.

Taro war schon den Römern bekannt. Apicius, laut Plinius d.Ä. "der grösste Prasser und zu aller Art von Luxus geboren" und Mitautor des ältesten erhaltenen Kochbuchs der Antike kocht Taro mit einer Sauce aus Pfeffer, Kümmel, Raute, Honig, Liquamen (Sauce aus vergorenem Fisch), Olivenöl und etwas Stärkemehl.
Aus gekochtem, zerstossenem Taro wird heute das wichtigste polynesische Grundnahrungsmittel hergestellt, ein grauvioletter Brei, der auf Hawaii Poi heisst. Durch Wasserbeigabe kann man seine Konsistenz verändern. Je nach Anzahl Finger, die man zum Verzehr benötigt, heisst er dann Zwei-Finger- oder Drei-Finger-Poi. Er schmeckt anfangs leicht süss, nach kurzer Zeit säuerlich und wird nach etwa fünf Tagen ungeniessbar.
Afrika ist voll von Tarorezepten. In Ghana geht eines so: Geschälte, halbierte Taro in Salzwasser mit Pfeffer 40 Minuten kochen. Absieben, zerstossen und mit Öl cremig rühren. Mit hartgekochten Eiern ergibt das ein Hauptgericht.

Trotz all dieser Kulinarik darf man nicht vergessen, dass die Taropflanze, die zu den Aronstabgewächsen gehört, roh giftig ist. Sie enthält Raphiden, Bündel aus nadelartigen Kalziumoxalatkristallen, die beim Verzehr in die Schleimhäute gelangen und gewaltige Schmerzen und Schwellungen verursachen. In Extremfällen kann das zum Erstickungstod führen. Doch wenn man Taro lange kocht, zwischendurch das Kochwasser wechselt und sie danach gut zerstösst, steht der kulinarischen Tropenreise nichts mehr im Weg.