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Pflanze des Monats Juni

Rote Spornblume (Centranthus ruber)

Sie blüht und blüht und blüht, den ganzen Sommer lang. In Weiss, Rosa oder Rot. Taubenschwänzchen und andere Schmetterlinge lieben sie. Hitze macht ihr nichts aus, Trockenheit noch weniger. Sie verzaubert Mauerritzen, Bahndämme, Betonfugen, Risse im Asphalt und alte Gemäuer. Eigentlich ist die Spornblume die perfekte Gartenstaude.

Eigentlich. Ihr Starrsinn ist legendär. Grundsätzlich wächst sie nur dort, wo sie wachsen will. Pflanzt man sie liebevoll in ein wohlbereitetes Beet, in Farbharmonie mit den Nachbarpflanzen («Dieses stumpfe Rosarot, kombiniert mit jenem türkisbehauchtem Lilagrau…») verschwindet sie oft nach kurzer Zeit und hinterlässt eine traurige Lücke. Ist die Farbharmonie dagegen nicht so toll («Die beisst sich mit den Taglilien!»), läuft die Spornblume zur Höchstform auf und und schickt Tausende von Samen los, weitere Gärten im Flug zu erobern. Ihre Nachkommen krallen sich in den trockensten Gartenecken fest, von wo sie nur schwer zu entfernen sind. Man könnte sie schon fast invasiv nennen.

Wie ihre nahen Verwandten Baldrian und Nüsslisalat ist sie ein gefundenes Fressen für Experimentierfreudige: Ihre Blätter und Knospen eignen sich als Salatzutat, die Blüten auch als essbare Dekoration. Und das beste daran: Werden sie abgeschnitten, blühen sie einfach ein wenig später, ein bisschen kompakter und genauso schön.

Standort: Arzneipflanzengarten

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Pflanze des Monats Mai

Gefüllter Schneeball 'Viburnum opulus Roseum'

Der gemeine Schneeball, wie die Wildform dieses Strauchs heisst, hat schon so manche gärtnernde Seele verzweifeln lassen. «Blattläuse!» schallt es im Mai durch den Garten, oft gefolgt vom Pffft des Insektensprays, welcher zuverlässig sämtliche blattlausfressenden Insekten vernichtet. Die Blattläuse hingegen vermehren sich danach um so besser… Man nimmt sich stattdessen einen Liegestuhl und viel Zeit, um die lausfressenden Larven der Florfliegen, Schwebfliegen und Marienkäfer bei ihrer Arbeit zu beobachten. Die übriggebliebenen Läuse werden dann von Singvögeln an ihre Jungen verfüttert.

Der Gewöhnliche Schneeball ist eines der wenigen einheimischen Gehölze mit leuchtendroter Herbstfärbung. Die roten Beeren bleiben sehr lange am Strauch und werden von den meisten Vögeln verschmäht. Doch in seltenen Jahren, wenn der Winter in der Taiga hart und das Futter knapp wird, ziehen grosse Schwärme von Seidenschwänzen gen Süden und fallen über die Beeren her. Die Samen keimen nach der Passage durch den Vogeldarm sehr gut, was den Schneeball zum Verdauungsverbreiter macht. Ein wunderbares Wort!

Früher hiess die Gattung Schlinge, Herzbeere oder Blutbeere. Erst gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts entdeckte man eine gefüllt blühende Form; erst wegen ihr kam der Name ‘Schneeball’ auf. Sie ist steril und lässt sich nur durch Stecklinge vermehren. Deshalb sind alle Schneebälle der Sorte ‘Roseum’ eigentlich ein einziger Klon, fünfhundert Jahre alt und verstreut über mehrere Kontinente.

Standort: beim historischen Sitzplatz

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Pflanze des Monats April

Gelbes Japangras (Hakonechloa macra 'Aureola')

«Blüten sind überbewertet.» (Alberte Instein)

Wir befinden uns im April. Ganz Brüglingen ist von Blüten besetzt… Ganz Brüglingen? Nein! Ein paar unblühsame Farne und Gräser hören nicht auf, dem Blütenwahn Widerstand zu leisten. Eines dieser heldenhaften Gewächse ist das gelbe Japangras. Im April treibt es erste zarte Spitzen, die aber im Rhododendrontal zunächst nicht weiter auffallen - dort knallen vorerst rosa, rote und blauviolette Blüten um die Wette.

Doch wenn sich der Farbrausch in bräunliche Blütenreste verwandelt hat, nimmt man endlich die betörende Schönheit des Japangrases wahr: Der elegante Wuchs! Dieses schmale Laub! Das aufregende Gelbgrün! Die wie mit feinstem Pinsel gezogenen Streifen! Im Halbschatten kommt es am besten zur Geltung, sei es unter Sträuchern, neben Hosta oder Farn, als einzelner Horst oder wogende Fläche, kombiniert mit Balkan-Anemonen und Gefingertem Lerchensporn… Sogar in der Vase macht es eine gute Figur. Seine diskreten Blüten legen im Spätsommer einen zarten Schleier über das Laub.

Das Japangras liebt ein halbschattiges, nicht zu trockenes Plätzchen. Spätfröste lassen es gelegentlich zerzaust zurück, doch ansonsten ist recht unkompliziert. Wird es im Winter unansehnlich, kann man es zurückschneiden, muss aber nicht. Es gibt nur wenige Stauden, welche von April bis November so attraktiv sind wie dieses Gras. Das schafft keine der knallbunten Frühlingsblumen!

Standort: beim Rhododendrontal

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Pflanze des Monats März

Stinkende Nieswurz 'Helleborus foetidus'

In den Wäldern um Basel leuchten die Blüten der stinkenden Nieswurz durchs kahle Gestrüpp. Die Blüten öffnen sich je nach Witterung zwischen Dezember und März. Darin leben Hefepilze, welche den Nektar zersetzen und dabei Wärme produzieren, wodurch es innerhalb der Blüten ein paar Grad wärmer sein kann als in der Umgebung. Das beschert Hummeln und anderen Insekten Nahrung und ein warmes Plätzchen.

Im Gegensatz zu anderen Nieswurzen ist diese Art nur kurzlebig. Um sie im Garten zu halten, lässt man sie an Ort und Stelle versamen, man kann aber auch die Samenstände abschneiden und einfach dort verteilen, wo man dieses schöne Gewächs gerne hätte. Wichtig ist, dass die Samen frisch sind, da sie sich im Boden noch entwickeln müssen, bevor sie dann im nächsten Frühjahr keimen. Ein Sommer im trockenen Samentütchen ist der Nieswurz Verderben. In der viel besungenen guten alten Zeit wurde sie trotz ihrer Giftigkeit als Heilmittel gegen Würmer, Läuse und Wahnsinn verwendet, erledigte aber neben Parasiten und Krankheit zuweilen auch die Patienten.

Karl Foerster, ein begnadeter Staudengärtner mit poetischer Ader, schätzte diese Pflanze sehr. Er empfand ihren Namen als diskriminierend. «Palmblatt-Schneerose» nannte er sie, doch diese Bezeichnung hat sich nicht durchgesetzt. Dabei stinkt sie gar nicht! Sie duftet nur ein wenig streng.

Standort: bei der Villa Merian auf dem Sitzplatz

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Pflanze des Monats Februar

Bergenia 'Oeschberg'

Nach all den wunderschönen Pflanzen der letzten Monate kommt diesmal ein oft geschmähtes Gewächs an die Reihe: Die Bergenie. Allein schon der Name…! Die Optik ist auch nicht besser, ihr Laub wirkt wie Plastik. Das Quietschrosa der Blüten ist nicht das Gelbe vom Ei und beisst sich mit Primelgelb und Vergissmeinnichtblau.

Manche nennen sie Schneckenpflanze. Vor einiger Zeit erzählte uns eine alte Dame, sie kenne “dieses Zeug” seit ihrer Kindheit, habe darin oft geradezu unglaubliche Schneckenmengen gefunden und grause sich noch heute davor, nach über achtzig Jahren! Bergenien dienen den Molluskenhorden nur als feuchtschattiges Basislager, von wo aus sie Hosta und andere Gartenschätze vernichten. Nur die Bergenien werden verschmäht.

Viele Sorten sind eher zimperlich: Sonniger Kahlfrost rafft die Blätter dahin, Spätfrost die Blüten (was dann wenigstens das Problem mit der Farbe lösen würde, aber Braun ist auch nicht besser…). Andere Sorten hingegen sind gesund, robust und nichtssagend. Eine löbliche Ausnahme ist die Sorte 'Oeschberg', eine Züchtung aus der gleichnamigen Gartenbauschule im Kanton Bern. Ihr Laub ist gesund, wohlgeformt und färbt sich im Winter dunkelrot, wird aber im Frühling innert weniger Tage wieder grün. Sie blüht erst, wenn kaum noch Frost droht. Ihre leuchtend rosa Blüten auf kräftigen Stielen sind wunderbare Schnittblumen, womit auch das Farbproblem im Beet gelöst ist.

Standort: Am östlichen Rand des Staudenbeetes neben der Villa, zum Teich hin.

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Pflanze des Monats Dezember und Januar

CHINASCHILF (Miscanthus sinensis)

Im Winter ist von den meisten Stauden nicht mehr viel zu sehen: Ein paar Immergrüne sitzen verschüchtert im Schatten, Polster ducken sich zu Boden; die meisten haben sich unter die Erdoberfläche verzogen und dabei totes Laub, Stängel und Samenstände zurückgelassen. Oft überwiegt dabei der Aspekt ‘Tod & Unordnung’, doch Strukturhelden wie das Chinaschilf blühen erst beim Absterben richtig auf.

Dem wilden Frühlingstreiben seiner Beetnachbarn schaut es verschlafen vom Boden aus zu. Wenn sich dann im Mai die ersten Blüher zerzaust zurückziehen, rafft sich das Chinaschilf endlich auf. Und wächst. Und wächst. Und wächst! Einige Sorten können mehrere Meter hoch werden, die meisten bleiben aber etwas niedriger. Viele zeichnen sich durch frühe, gut gefärbte Blüten, graziles Laub oder spektakuläre Herbstfärbung aus.

Zu guter Letzt bleibt es einfach in voller Schönheit stehen. Den ganzen Winter über bietet es eine Heimstatt für Kleingetier, eine Weide für unsere Augen und zu guter Letzt eine schützende Decke für die frühaufstehenden Beetnachbarn, wenn man die Pflanze im Spätwinter von oben nach unten mit der Heckenschere zerkleinert und das Material im Beet liegen lässt - womit auch schon die ganze Pflege erledigt wäre.

Aufgrund von Kälte und Dunkelheit bleibt die Pflanze des Monats Dezember frisch bis Ende Januar.

Standort: Beim Treffpunkt Vorder Brüglingen

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Pflanze des Monats

EICHENBLÄTTRIGE HORTENSIE (Hydrangea quercifolia)

Die Eichenblatt-Hortensie besitzt einen eher zurückhaltenden Charme. Ihr markant gelapptes Laub färbt sich im Herbst rot und bleibt oft lange bestehen, die cremefarbenen Blüten sind hübsch, aber nicht sehr auffällig. Sie braucht keinen Schnitt und wird mit den Jahren immer schöner.

Hydrangea kommt aus dem Griechischen, gerüchteweise soll er «Wassersäuferin» bedeuten, weil Hortensien gerne feucht stehen. Das scheint plausibel, ist aber falsch: der Name bezeichnet ein Wassergefäss und bezieht sich auf die Form der Frucht. Die Botaniker hatten damals oft nur gepresste Pflanzenteile und keine Informationen über die Ansprüche der Pflanzen zur Verfügung.

Der ehemalige Name Hortensia stammt vom Botaniker Philibert Commerson, welcher die Gattung nach einer Dame namens Hortense benannt hat. Leider ist nicht bekannt, wer genau gemeint war. Zur Auswahl stehen: Hortense Barré, die eigentlich Jeanne Barret hiess und in männlicher Verkleidung auf einer Expedition als sein Diener mitfuhr, Hortense Lepaute (diese hiess jedoch Nicole-Reine), Hortense, Tochter von Kaiserin Josephine, die aber leider erst einige Jahre später zur Welt kam, und (am wahrscheinlichsten) Hortense de Nassau, die wirklich Hortense hiess und mit Commerson an derselben Expedition beteiligt war. Aber immerhin ist der Artname schnell erklärt: «Quercifolia» heisst auf lateinisch «eichenblättrig».

Standort: Bei der Villa Merian finden Sie unsere Pflanze des Monats November.

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Pflanze des Monats

Namenlose Aster (Symphyotrichum anonymum ‘Genpoolsalat’)

Haben Sie schon erlebt, dass Sie einen Pflanzennamen wissen wollten und kein Etikett gefunden haben? Das kann diverse Gründe haben: Manche Pflanzen wachsen schneller, als wir Gärtnerinnen und Gärtner rennen können. Liebenswerte Zeitgenossen verteilen die Schilder gerne kreativ im Garten; wir haben diese schon zu Lande, zu Wasser und im Gestrüpp wiedergefunden. Oder eine Pflanze steht mehrfach im Beet, ist aber nur einmal etikettiert.

Am Farbhügel kommen alle drei Varianten vor, aber der häufigste Grund für vergebliches Suchen sind namenlose Herbstastern. 2003 wurden hier diverse Sorten gepflanzt. Ein paar davon stehen noch hier, und mit etwas Glück findet man ihr Namensschild irgendwo im Dickicht. Seither säen sie sich aus, bastardisieren quer durch die Beete und verschwinden inzwischen in der Masse ihrer Nachkommen. Diese unterscheiden sich von den Eltern, sie weisen eher verwaschene Farben und kleine Blüten auf. Und jede Pflanze ist anders als die anderen.

In den ersten Jahren wurden langweilige oder stark wuchernde Sämlinge entfernt, andere umgepflanzt und einige sogar vermehrt. Inzwischen ist es eine individuelle Mischung, die sich jedes Jahr verändert. Einen Namen haben diese Astern natürlich nicht, und man kann sie nirgends kaufen. Doch wenn Sie Herbstastern in verschiedenen Farben, Wuchshöhen und Blütenformen in Ihren Garten setzen und die Sämlinge nicht jäten, haben Sie schon in wenigen Jahren Ihre ganz individuelle, wenn auch namenlose Überraschungsasternwolke.

Standort: Wenn Sie den Eingang St. Jakob nehmen, befindet sich auf der linken Seite am Farbhügel unsere Pflanze des Monats Oktober.

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Pflanze des Monats

Reispapierbaum (Tetrapanax papyrifer)

Fernreisen sind in der aktuellen Situation keine gute Idee. Wer die Tropen vermisst, kann sich als Ersatz die grüne Üppigkeit (oder zumindest einen Abklatsch davon) in den Garten holen. An geschützten Orten im milden Basler Klima gedeihen tropisch anmutende Schönheiten wie Zwergbanane, Bambus oder winterharte Begonien. Noch beeindruckender ist der Reispapierbaum; zwischen seinen urtümlichen Riesenblättern könnte jeden Moment ein Saurierkopf erscheinen. Im Handel existieren martialisch klingende Sorten wie ‘Rex’ (die Abkürzung T. Rex macht sich gut beim Verkaufsgespräch) oder ‘Steroidal Giant’, die sich aber nicht besonders von der Art unterscheiden.

Der Name Reispapierbaum ist irreführend. Aus dem Mark im Innern der Triebe wird ein wertvolles Papier hergestellt, von dem man anfangs dachte, es würde aus Reis gefertigt. Sogenanntes Reispapier wird aber auch aus einigen anderen Pflanzen hergestellt, sogar aus Reis – letzteres wird aber nicht beschrieben, sondern gegessen.

Reispapierbäume galten lange als kaum winterhart, oft half nicht mal ein guter Schutz. In den letzten Jahren sind aber Pflanzen mit besserer Winterhärte auf den Markt gekommen. Und sie gedeihen gut. Je nach Standort sogar zu gut: Berichte über währschaftes Gestrüpp mit hemmungsloser Ausläuferbildung mehren sich. Friert die Pflanze doch einmal zurück, erscheinen oft viele Nachkommen aus den Wurzeln, die in kurzer Zeit die tropische Üppigkeit wieder auferstehen lassen. Eingetopft bewurzeln diese sich rasch und eignen sich gut als kleines Geschenk für Leute mit grossen Gärten.

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Pflanze des Monats

Glockenrebe (Cobaea scandens)

Geduld bringt Rosen und ab Ende Juli auch (endlich!) Glockenreben. Bis jetzt konnte man nur ihr hübsches Laub bewundern, dessen dunkle Färbung nach der Blattentfaltung vergrünt. Das jeweils letzte Blättchen der gefiederten Blätter ist zu einer Ranke umgewandelt. Diese ist zunächst gerade, reagiert aber auf Berührungsreize, indem sie sich in deren Richtung krümmt. Hat sie erst einen Zweig oder ein Gitter umwickelt, zieht sie sich wie ein Telefonkabel (heute weitgehend unbekannt, kam früher zwischen Telefongerät und Hörer vor) zusammen und sorgt für eine elastische Befestigung der mehrere Meter hoch werdenden Pflanze.

Wenn sich die ersten Blüten öffnen, gibt es gelegentlich enttäuschte Gesichter. In tiefem Violett sollte sie blühen, wie im Katalog; zu sehen sind aber nur grünweisse Glocken. Und das nach der langen Wartezeit! Verstimmt geht man ins Haus, schmiedet Kompostierungspläne – und leistet zwei Tage später Abbitte bei der jetzt violetten Schönheit. Dieser Wechsel betrifft nicht nur die Blütenfarbe, sondern auch deren Anatomie: In der hellen Phase zeigen sich die Staubbeutel, beim Wechsel zu Violett wächst dann der Griffel. Dabei ändert sich auch der Duft von dumpf säuerlich zu honigsüss.

Die meisten Blüten sind für ganz bestimmte Bestäuber gebaut. Die Glockenrebe ist eine typische Fledermausblume - nicht für unsere heimischen insektenfressenden Fledermäuse, sondern für tropische Vertreter, die den Nektar mit ihrer langen Zunge erreichen. Da diese Tiere ziemlich ruppig mit den Blüten umgehen, sind Fledermausblumen in der Regel robust gebaut und halten einiges aus, wie man selber fühlen kann. Auch der Kelch ist kräftig ausgebildet und hat der Pflanze den hübschen englischen Namen «Cup and Saucer-Plant» eingebracht. Auf deutsch tönt er leider weniger attraktiv: Tasse und Untertasse-Pflanze. Naja.