Pflanze des Monats

Bündner Oberländer Schaf (Ovis orientalis Aries 'Bündner Oberländer')

Sowohl im Gebirge wie auch im Flachland kommt das Bündner Oberländer Schaf vor. Seine Wurzeln reichen tief in graue Vorzeit, bis hinunter zum Torfschaf. Daher zählt man es zu den Tiefwurzlern. Es gedeiht aber nicht nur auf Torf, sondern auf fast allen Böden, auch an kargen Orten.

Das Bündner Oberländer Schaf ist zweihäusig. Weibliche Exemplare enthalten zeitweise ungiftigen Milchsaft. Es werden meist nur zwei, dafür aber erstaunlich grosse Sämlinge gebildet. Jungpflanzen sind nahrhaft und wohlschmeckend, ältere Exemplare können zäh sein. Vor dem Verzehr sollte man sie schälen und erhitzen. Die wolligen Auswüchse der Pflanze werden zu Textilien verarbeitet. Breitbuschiger Wuchs, dichtwollige Oberfläche und hohe Farbvariabilität machen es zu einer Zierde in jedem Garten, wo sich die Kombination leider oftmals als schwierig erweist: Als Vollparasit ernährt sich dieses Gewächs von verschiedenen Wirtspflanzen. Deshalb bildet es kein eigenes Blattgrün, was zu der für Pflanzen eher untypischen Färbung führt.

Neueste Forschungsergebnisse auf molekularer Ebene lassen vermuten, dass die Gattung Ovis irrtümlicherweise zu den Pflanzen gestellt wurde. Eine Zugehörigkeit zu den Pilzen wird diskutiert, doch die eher pilzuntypischen Geräusche dieses Schafs sprechen dagegen.

 

-

vorwärts in die vergangenheit

Im Englischen Garten führt das Gärtnerteam der Merian Gärten zurzeit Pflegearbeiten durch, die den historischen Charakter der historischen Anlage besser zum Ausdruck bringen. Dabei müssen auch einige Buchs- und Eibenbäume die wild aufgekommen sind oder im Laufe der letzten 40 Jahre gepflanzt wurden, gefällt werden.

Die Gruppe von imposanten Schwarzkiefern neben der Villa war im unteren Bereich fast zugewachsen. Die Sträucher versperrten nicht nur die Sicht, sondern schadeten auch den grossen Bäumen, da sie den unteren Ästen das Licht nahmen.

Durch die Öffnung kommen die ausdrucksvollen, alten Bäume viel besser zur Geltung. Ausserdem wird eine historische Sichtachse auf die Villa wieder hergestellt. Als weiterer positiver Effekt erhält das Dach des dahinter liegenden Gärtnerhauses wieder mehr Licht - im Schatten der dichten Sträucher ist die Feuchtigkeit in die Dachziegel gekrochen und hat diese beschädigt.

In anderen Bereichen werden Sträucher an Wegrändern zurückgeschnitten, damit die Sonne wieder auf die Wege scheint. Auch die Magerwiese am Hang bekommt mehr Platz und Licht durch die Entfernung einiger Sträucher. Die Rabatteninsel im hinteren Teil des Englischen Gartens wird so zurückgeschnitten, dass eine Sichtachse von der Villa auf das Kunstwerk von Luciano Fabro entsteht, und der Rasen wird bis zur historischen Rasenkante (immer noch erkennbar!) wieder neu angelegt.

Als Referenz für diese Aufwertungsarbeiten diente ein Plan des Herrschaftsgutes von Christoph Merian von 1886.

Winterblüte

Dieses Jahr besonders früh zeigen sich die Blüten des Alpenveilchens (Cyclamen coum) und des einheimischen Schneeglöckchens (Galanthus nivalis). Die Alpenveilchen können beim Steingarten der Irissammlung, im Rhododendrontal sowie beim Tor zur Villa Merian bewundert werden. Schneeglöckchen zeigen sich rund um das Pächterhaus. Auch einige weitere Schneeglöckchen-Arten blühen bereits in der Iris- und Clematissammlung.

Klein aber fein sind oftmals die Blüten von winterblühenden Gehölzen. Bei der Clematissammlung beweisen dies die Zaubernuss (Hamamelis mollis) und der Persische Eisenholzbaum (Parrotia persica ‘Vanessa‘). Im Irishang ist ein Exemplar der Chinesischen Winterblüte (Chimonanthus praecox) zu sehen. Etwas mehr protzt der Mittelmeer-Schneeball (Viburnum tinus) bei der Villa Merian.

Alpenveilchen (Cyclamen coum)
Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox)
Mittelmeer-Schneeball (Viburnum tinus)
Zaubernuss (Hamamelis mollis)
Eisenholzbaum (Parrotia persica 'Vanessa'


Die Zeit der Blätter

Zierkohl (Brassica oleracea) in Töpfen schmückt nun den Hof bei der Ökonomie in Vorder Brüglingen. Eng verwandt mit Grünkohl - man könnte ihn auch essen - begeistert er mit dicken, krausen Blättern in rotviolett bis rosa und überraschend vielfältigen Grüntönen.

Auch bei einem anderen Kohl, nämlich dem Rosenkohl im Alten Bauerngarten auf dem Brüglingerhof, sind die Blätter das Wichtigste. Die zarten, dicken Blattknospen sind jetzt bereit zum Ernten - nach dem ersten Frost schmecken sie besser.

Im Labyrinth beweisen Schlangenbart (Ophiopogon planiscapus 'Niger') und Liriope (Liriope muscari) mit ihren schwarzen und grünen, grasartigen Blättern ihre Fähigkeit, den Winter zu beleben. Auch die gestreiften, drei Zentimeter breiten Blätter der eben sogenannten Breitblättrigen Segge (Carex plantaginea) passen gut in ein winterliches Beet.

Direkt daneben leuchten die roten Blätter der Eichenblättrigen Hortensie (Hydrangea quercifolia). Grosse Blätter werden von der Pflanze abgeworfen, aber in einem mildem Winter schmücken die kleineren Blätter den Garten bis in Frühling.

Auch Blüten gibt es noch: Ganz untypisch für die Jahreszeit blüht bei den Schmetterlingsblütlern der Stechginster (Ulex europaeus). Seine Hauptblütezeit ist normalerweise Mai bis Juni, die Nachblüte reicht bis meistens bis September. Und am Eingang St. Jakob verabschieden einen die Gänseblümchen und Stiefmütterchen mit leuchtenden Farben im bisher eher grauen Dezember: dunkelpurpur, weinrot, zartrosa und gelb.

Zierkohl (Brassica oleracea)
Rosenkohl
Gänseblümchen
Rotkehlchen
Stechginster (Ulex europaeus)

Pflanze des Monats


Henne mit Küken (Tolmiea menziesii)

Tiere, die ihre Jungen mit sich herumtragen, kennen wir viele. Da fallen uns vielleicht Kängurus, Skorpione, Affen, Asseln, Kugelfische, Faultiere und – zumindest zeitweise - Hühner ein. Huckepackpflanzen sind seltener, aber auch das gibt es. Eine der bekanntesten ist die “Henne mit Küken“. Ihre Kindel (die heissen wirklich so) wachsen im Herbst auf dem Blatt, drücken dieses zu Boden, schlagen Wurzeln und - zack! - haben wir eine neue Henne.

Die Rede ist von einer etwas altmodischen, aber noch immer beliebten Zimmerpflanze, die sich an schattigen, geschützten Orten auch für den Garten eignet. Ihre ursprüngliche Heimat sind kühle Nadelwälder von Kalifornien bis Alaska. Die Blüten? Hübsch, aber winzig.

Die Henne mit Küken ist ein ideales Gewächs für Kinder, weil der Wechsel von der Henne (alte Pflanze) über das Küken (Kindel auf dem Blatt) zur neuen Henne nicht lange dauert, spannend ist und sich gut beobachten lässt. Zudem ist sie völlig vegan, frei von Hühnereiweiss und –augen.

 

Der Winter kommt

Die Blütezeit der meisten Pflanzen ist vorbei, der Himmel ist die letzten Tage eher grau. Doch wer jetzt im Garten spazieren geht, kann umso mehr die leuchtenden Farben der herbstlichen Bäume bewundern. Besonders schön sind die rot leuchtenden Blätter der Azaleen im Rhododendrontal im Kontrast zum immergrünen Laub vieler Rhododendren.

Viele Samenstände bleiben über den Winter im Garten stehen und werden erst im Frühling geschnitten. Die bizarren Formen der Hüllen, Kapseln und Strukturen ziehen die Blicke auf sich und zeichnen schöne Silhouetten. Die Fruchtstände der Gräser oberhalb der Irissammlung leuchten morgens im Gegenlicht.

Apropos Iris - die Winter-Iris (Iris unguicularis) blüht, wenn es mild ist, den ganzen Winter durch, man findet sie hinter der Irissammlung nahe der Sonnenuhr.

Gräser

Pflanze des Monats

Zerr-Eiche (Quercus cerris)

Für die meisten Gärten wird sie mit bis zu vierzig Metern zu gross, doch wenn ein schnellwachsender Hausbaum gesucht wird, ist die Zerr-Eiche gut geeignet. Sie ist sturmfest, unempfindlich, stadtklimaresistent, wurzelt tief und lässt sich problemlos unterpflanzen. Innerhalb einer Generation entwickelt sie sich zu einem malerischen Baum mit knorrigen Ästen und dicker Borke. Unser Exemplar ist über fünfzig Jahre alt. Die tief gelappten Blätter sind sehr variabel und bleiben lange am Baum. Eine Besonderheit ist der mit zottigen Schuppen bedeckte Eichelbecher.

Mit Gezerre hat die Zerr-Eiche nichts zu tun. In Südost-Europa und Kleinasien, wo sie beheimatet ist, heisst sie Qarr, Tser oder Cerro, auf lateinisch Cerrus. Ein kopierter Druckfehler aus einem Buch von Dodonaeus im 16. Jahrhundert führte zum heute gültigen Artnamen cerris.

Sind Ihnen im Sommer knorpelartige Gebilde unter unseren Stein-Eichen aufgefallen? Das sind keine Eier von Ausserirdischen, sondern sogenannte Knoppern. Verursacher ist die Eichenknoppern-Gallwespe. Ihre erste Generation wächst in der Zerr-Eiche. Im Mai schlüpft sie und legt ihre Eier an die Eichelbecher der hiesigen Stein-Eiche, wo sich bald die Knoppern bilden. Da die Gallwespe beide Eichenarten benötigt, findet man sie fast nur in der Nähe botanischer Gärten oder Parks.

 

Farbenfroher Herbst

Die sonnigen Oktobertage lassen die Bäume in allen Farben aufleuchten: Der Amerikanische Amberbaum (Liquidambar styraciflua) , der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera) und die Baumbestände im Englischen Garten präsentieren sich von ihrer schönsten Seite.

Besonderes gibt es jetzt bei den Schmetterlingsblütlern (Fabaceen) zu sehen, denn die Früchte dieser Pflanzen sind oft sehr aussergewöhnlich. Beim Blasenstrauch (Colutea orientalis) sind die Samenhülsen aufgebläht oder beim Zeckenklee (Desmodium canadensis) klebrig und haften wie Kletten. Der Skorpionsschwanz (Scorpiurus muricatus) wurde sogar extra wegen der Fruchtform gesät: Die Hülsen sind schmal und verdreht und sehen aus wie eine zusammengerollte Raupe.

Auf dem Farbhügel beim Pächterhaus in Vorder Brüglingen blühen die Astern immer noch in traumhafter Fülle. Auch die Fuchsien geben noch einmal alles: Zwar wandern einige Kübel bereits ins Winterquartier, aber die winterharte Sorten (Fuchsia magellanica) blühen noch so schön wie selten. In der Clematissammlung leuchten nicht nur die letzten Blüten (C. akebioides, C. ternifolia, C. viorna, und andere) sondern auch die Hagebutten der Rosen (Rosa spp.) und tiefblau der Eisenhut (Aconitum carmichaelii).

Obwohl Lavendel und Salbei bereits verblüht sind, ist der Silberhang zurzeit wunderschön mit den winzigen Blüten der Bergminze (Calamintha-Arten) übersät; dazwischen verstecken sich Herbstkrokusse (Crocus speciosus).

Blasenstrauch (Colutea orientalis)
Amerikanische Amberbaum (Liquidambar styraciflua)
Eisenhut (Aconitum carmichaelii)
Bergminze (Calamintha)
Farbhügel mit Astern

Pflanze des Monats

Japanisches Blutgras (Imperata cylindrica 'Rubra')

Zum Spätsommer hin leuchtet das Blutgras in feurigem Rot. Schwachwüchsig ist es, bescheiden und nicht sehr winterhart; ein harmloses Pflänzchen, so scheint es. Man sieht es ihm nicht an, dass es zu den weltweit schädlichsten invasiven Arten gehört. Seine natürliche Verbreitung liegt in Ostafrika, Indien und Südostasien. In den USA wurde es früher als Viehfutter und zur Bodenstabilisierung angepflanzt. Doch mit der Futteridee ging es ziemlich schnell bachab: Der englische Name 'swordgrass' bezieht sich auf die harten Blattkanten, welche Rindermäuler verletzen können. Nur die frisch austreibenden Halme werden gefressen, haben aber nur wenig Nährstoffe.

Ein noch grösserer Reinfall war der Erosionsschutz. Dieser funktionierte dank der kräftigen Rhizome, welche ein dichtes Geflecht bilden, recht gut. Doch dadurch und durch seine allelopathische Wirkung (eine Art chemische Kriegsführung im Pflanzenreich) verdrängt das Blutgras andere Pflanzen. In den USA hat es inzwischen mehrere tausend Hektar überwuchert und verändert die Feuerökologie. In vielen Bundesstaaten ist es verboten und wird bekämpft. Auch auf anderen Kontinenten macht es Probleme: In Teilen Afrikas gilt es als das schlimmste Ackerunkraut, in Südostasien behindert es Wiederaufforstungsprojekte.

Doch unsere Winter sind kalt, die Sorte 'Rubra' blüht nicht. Deshalb erfreuen wir uns auch weiterhin an diesem flammenden Rot, welches zusammen mit Scheinhasel, Blumenhartriegel und Eisenhut den Herbst leuchten lässt. Und das Fehlen der silberfedrigen Blüten sollte niemand bedauern.

 

Altweibersommer: späte Blüten und üppige Früchte

In den warmen Spätsommerstrahlen reifen an vielen Sträuchern die Früchte: Weissdorn und Schwarzdorn sind reich behangen, an den Rosen leuchten die Hagebutten und im Trockenbiotop ist der Sanddorn voller orangener Früchte.

Noch immer blühen die Fuchsien: einige winterharte Sorte sind dieses Jahr so schön wie selten. An der warmen Südseite des Gewächshauses duften - besonders nachts - die Engelstrompeten. Auch viele Clematisarten und -sorten blühen noch in allen Farben. Am Eingang St. Jakob und bei der Villa blühen Silberkerzen (Actaea oder veraltet, aber noch üblich: Cimicifuga) die auch toll duften.

Besonders lohnenswert ist jetzt ein Besuch beim Farbhügel: die Astern fangen an zu blühen und bedecken schon jetzt das Beet mit tausenden von blauen Blüten - eine Augenweide!

Wer genau hinschaut entdeckt auch im schattigen Rhododendrontal jetzt einige Spezialitäten: das kletternde Tränende Herz (Dactylicapnos macrocapnos), winterharte Begonien (Begonia grandis), die Traubenlilie (Liriope muscari) oder als ganz besonders Highlight die filigrane Krötenlilie (Tricyrtis Hybride).

Astern "Wunder von Stäfa" (Aster x frikartii)
Schwarzdorn (Prunus spinosa)
Krötenlilie (Tricyrtis)
Winterharte Fuchsie (Fuchsia 'Vielliebchen')
Kletterndes Tränendes Herz (Dicentra scandens)